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Kortisontherapie bei Multipler Sklerose

//Kortisontherapie bei Multipler Sklerose

Kortisontherapie: Einsatz von Glucocorticoiden bei Multipler Sklerose

Bekanntlich wirken sich Glucocorticoide wie Prednisolon nicht auf den MS-Verlauf aus. Da sie aber Entzündungen eindämmen können, sollten Schübe möglichst rasch mit einer Kortisonstoßtherapie abgefangen werden. Zudem kommen Glucocorticoide häufig als symptomatische Therapie zur Reduktion von Spastik zum Einsatz. Die Multiple Sklerose Gesellschaft Wien fragte bei ao. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek von der Medizinischen Universität Wien nach, wann eine Kortisontherapie unbedingt notwendig ist.

ao. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek

ao. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek

Mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen sorgen dafür, dass MS-Betroffene zögern, sich einer Kortisontherapie zu unterziehen. In welchen Situationen ist eine Behandlung unbedingt indiziert? Und in welchen Fällen überwiegt der Nutzen der Therapie das Nebenwirkungsrisiko?

ao. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek: Man muss zwischen Nebenwirkungen, die bei einmaliger Hochdosistherapie auftreten können und Komplikationen, die unter einer Kortisonlangzeittherapie auftreten können, unterscheiden. Die häufigsten Nebenwirkungen unter kurzzeitiger Therapie sind Schlafstörungen, milde Euphorie, Stimmungsschwankungen, Appetitsteigerung, Übelkeit, vermehrtes Schwitzen, Metallgeschmack während der Infusion, Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe, Kopf- und Muskelschmerzen etc.

Bei Kortisondauertherapie, die aber bei der MS praktisch nie zur Anwendung kommt, oder sehr häufiger Schubtherapie können Magengeschwüre, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Akne, Depression, Osteoporose, übermäßiges Fettgewebe am Stamm, Thrombosen, Infektionen u. a. auftreten.

Eine Schubtherapie mit Kortison ist dann empfohlen, wenn die Symptome zu einer Einschränkung im Alltag führen und/oder für die Betroffenen besonders unangenehm sind.  Gefühlsstörungen müssen nicht zwingend mit Kortison behandelt werden.

Tritt bei Menschen mit Multipler Sklerose ein Schub auf, sind sie oft unsicher, ob es bereits an der Zeit ist, auf Kortison zu setzen. Wann ist der ideale Zeitpunkt für einen Therapiebeginn? Und wann empfiehlt es sich, mit der Kortisontherapie zuzuwarten?

ao. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek: Bei Beschwerden, die besonders ausgeprägt sind und/oder rasch zunehmen, empfiehlt sich eine frühzeitige Begutachtung durch das neurologische Fachpersonal. Bei milden Symptomen kann durchaus zugewartet werden, ob die Beschwerden von alleine wieder vergehen. Abgesehen von der oben erwähnten Situation ist ein Schub in der Regel kein Notfall, der in der Sekunde behandelt werden muss.

Wenn die Betroffenen unsicher sind, ob Kortison nun indiziert ist, empfehle ich eine Rücksprache mit der zuständigen Ärztin bzw. dem zuständigen Arzt.

Mit welchen Methoden lassen sich mögliche Begleiterscheinungen mildern?

ao. Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek: Zur Vorbeugung von Magengeschwüren kann ein Magenschutz verabreicht werden. Besteht eine Zuckerkrankheit, sollte der Blutzuckerspiegel genau kontrolliert werden, ebenso der Blutdruck.

Bei den meisten Betroffenen sind die Nebenwirkungen jedoch mild und vorübergehend und benötigen keine weitere Therapie. Abgesehen von Hausmitteln, die u.U. individuell eingesetzt werden, sind mir jedoch keine konkreten Maßnahmen zur Linderung von Nebenwirkungen bekannt. |

Interview: Kerstin Huber-Eibl

Von |2019-04-16T21:25:56+02:0014. Apr. 2019|