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Alemtuzumab2019-04-24T20:20:15+02:00

Alemtuzumab

Alemtuzumab (Lemtrada®) ist seit 2013 zur Behandlung von Erwachsenen mit schubförmig-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) bei Nachweis einer Krankheitsaktivität im klinischen Befund oder in der Bildgebung zugelassen. Der gentechnisch hergestellte monoklonale Antikörper entfernt vorübergehend bestimmte weiße Blutkörperchen (B- und T-Lymphozyten) aus dem Blut, wobei dieser Effekt sehr lange andauert. 

Alemtuzumab zählt zu den sogenannten Immuntherapien der MS. Diese wurden unter der Vorstellung entwickelt, dass es sich bei MS vor allem um eine Erkrankung des Immunsystems handelt. Generell zielen Immuntherapien darauf ab, die Immunreaktionen teilweise zu unterdrücken. Die genaue Wirkungsweise bei MS ist jedoch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass die langanhaltende Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen Grund für die Wirksamkeit ist.

Bei Alemtuzumab handelt es sich um einen humanisierten monoklonalen Antikörper, der im Blut und in Immunorganen an bestimmte weiße Blutkörperchen (vor allem  T-Lymphozyten und B-Lymphozyten und in geringem Ausmaß an Monozyten) bindet. Dadurch wird ein Anteil dieser Zellen, die für die körpereigene Abwehr, aber auch für Krankheiten wie beispielsweise MS verantwortlich sind, vorübergehend zerstört. Auch wenn die Effekte auf das Immunsystem lange anhalten, ist Alemtuzumab 30 bis 45 Tage nach der Infusion kaum oder nicht mehr im Blut nachweisbar.

Verabreichung

Alemtuzumab wird über einen Zeitraum von zwei Jahren in zwei Behandlungszyklen als intravenöse Infusion verabreicht.

Zu Beginn der Behandlung erhalten die Patientinnen und Patienten an fünf aufeinanderfolgenden Tagen je eine Infusion mit 12 mg Alemtuzumab. Nach 12 Monaten erhalten sie an drei aufeinanderfolgenden Tagen je eine Infusion mit 12 mg Alemtuzumab. Wegen neuer Krankheitsaktivität wird bei einem Drittel der Patientinnen und Patienten innerhalb von fünf Jahren eine dritte und bei 10 % eine vierte Behandlungsphase mit drei Infusionen an drei aufeinanderfolgenden Tagen notwendig.

Alemtuzumab reduziert die Schubrate und hält die Zunahme der Behinderung auf

Da Alemtuzumab das Immunsystem langfristig beeinflusst, muss das Medikament so selten verabreicht werden.

Nebenwirkungen

Infusionsreaktionen, Infektionen und sekundäre Autoimmunerkrankungen

Da Alemtuzumab Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, der Blutplättchen und der Nieren auslösen kann, sind monatliche Blut- und Harnkontrollen bis 5 Jahre nach der letzten Infusion erforderlich.

Alemtuzumab sollte in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht verabreicht werden.

Quelle: Kompetenznetz Multiple Sklerose. 1. Auflage März 2018. Stand der Empfehlung: 21.02.2018 (Gültig bis: 21.02.2020)