Cladribin

Cladribin (Mavenclad®) ist ein krankheitsmodifizierendes Medikament in Tablettenform und für Erwachsene mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen. Das Medikament wird als Tablette über einen Zeitraum von zwei Jahren in vier Zyklen von jeweils fünf Tagen eingenommen. In den Jahren 3 und 4 ist keine Therapie mit Cladribin vorgesehen. Bei einem Teil der Personen, die mit Cladribin behandelt werden, bewirkt das Medikament eine Reduktion der Schubhäufigkeit, darüber hinaus wird die Zunahme der Behinderung aufgehalten. Cladribin muss selten eingenommen werden, da das Medikament das Immunsystem langfristig beeinflusst.

Cladribin zählt zu den Immuntherapien der Multiplen Sklerose, die unter der Annahme entwickelt wurden, dass es sich bei Multipler Sklerose vor allem um eine Erkrankung des Immunsystems handelt, bei der das Immunsystem die Nervenzellen angreift. Generell zielen Immuntherapien darauf ab, die Immunreaktionen teilweise zu unterdrücken. Cladribin richtet sich gezielt gegen T- und B-Zellen. Aus diesem Grund wirkt sich die Behandlung nur gering auf andere Zellen und Gewebe des Körpers aus. Aufgrund der kurzfristigen Therapiestöße erhöht sich etwa 30 Wochen nach der letzten Tabletteneinnahme die Anzahl von T- und B-Zellen und diese erreichen wieder Normalwerte.

Cladribin ist in der Europäischen Union seit August 2017 für Personen ab einem Alter von 18 Jahren mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen. In der Zulassungsstudie wurde „hochaktiv“ folgendermaßen definiert:

  • Personen, die im vorausgegangenen Jahr einen Schub und in der Magnetresonanztomografie (MRT) mindestens eine Kontrastmittel aufnehmende Läsion, alternativ neun oder mehr T2-Läsionen während der Behandlung mit anderen Immuntherapien hatten,
  • Personen mit zwei oder mehr Schüben im vorangegangenen Jahr, unabhängig davon, ob sie mit einer Immuntherapie behandelt wurden oder nicht.

Einnahme

Cladribin wird in Form von Tabletten in insgesamt vier Behandlungszyklen über einen Zeitraum von zwei Jahren eingenommen. Jedes Behandlungsjahr umfasst zwei Behandlungswochen, die jeweils in Woche 1 und Woche 5 stattfinden. In jeder Behandlungswoche werden – abhängig vom Körpergewicht – ein oder zwei Tabletten täglich an vier bis fünf  Tagen eingenommen.  Im Jahr 1 und 2 sind Folgeuntersuchungen vorgesehen. Im Jahr 3 und 4 sind weder weitere Behandlungen mit Cladribin noch Folgeuntersuchungen vorgesehen.

Nebenwirkungen

Die klinisch relevantesten Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Cladribin in Studien auftraten, waren Herpes Zoster (Gürtelrose bei zwei von 100 Studienteilnehmenden) und eine Verminderung der weißen Blutzellen. Diese vor allem die Lymphozyten betreffende Verminderung ist als therapeutische Wirkung erwünscht. Die Anzahl der weißen Blutzellen muss deshalb in regelmäßigen Abständen mit einem großen Blutbild bestimmt werden. Fällt die Zahl der Lymphozyten unter einen bestimmten Grenzwert, sollte keine Medikamentengabe erfolgen, bis sich die Werte wieder normalisiert haben.

Schwangerschaft und Stillzeit

Cladribin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden. Sechs Monate nach der letzten Einnahme von Cladribin (also in Jahr 2) ist nicht mehr von einem Risiko für eine neue Schwangerschaft auszugehen. Somit spricht nichts dagegen, sechs Monate nach der letzten Einnahme von Cladribin im zweiten Jahr und in den Jahren 3 und 4 schwanger zu werden.

KKNMS-Patientenhandbuch Cladribin (PDF)

Mavenclad Fachinformation (PDF)