Multiple Sklerose-induzierte Spastik

Unter Spastik versteht man eine veränderte Muskelspannung, die mit Steifheit und Krämpfen einhergeht. Spastik kann den für Multiple Sklerose oft typischen steifen Gang verursachen. Für einzelne Körperfunktionen kann eine Spastik eine positive Wirkung haben. So ermöglicht eine gewisse Steifigkeit beispielsweise die Belastung der Beine, die sonst etwa zu schwach zum Stehen sind. Bei der Therapieplanung ist eine mögliche Verschlechterung durch Antispastika zu berücksichtigen.

Störende Symptome sollten möglichst gut behandelt werden. Die gezielte und koordinierte Therapie durch Fachpersonen aus den entsprechenden Bereichen kann die Lebensqualität oft deutlich verbessern und besteht aus medizinischen Maßnahmen, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Rehabilitation, Neuropsychologie, psychologischer und sozialmedizinischer Beratung sowie Psychotherapie.

Maßnahmen

  • Bewegungstherapie, Physiotherapie
  • Schienen zum Stützen und zur Vorbeugung einer Dauerverkürzung der Muskeln
  • therapeutisches Reiten (Hippotherapie)

Medikamente

  • 1st line : orale Antispastika wie z.B. Baclofen (Lioresal®), Tizanidin (Sirdalud®)
  • 2nd line Sativex® (THC:CBD)
  • 3rd line , andere
    Benzodiazepine (z. B. Valium®, Musaril®), Dantrolen (Dantamacrin®), Tolperison (Mydocalm®), Antiepileptikum Gabapentin (Neurontin®), Magnesium, Clonazepam (Rivotril®) – Achtung: sehr sedierend!

Cannabis

Cannabishaltige Therapien stellen eine Behandlungsoption für Multiple Sklerose-bedingte Schmerzen und Spasmen dar.

Wirkungsspektrum von THC und CBD

Tetrahydrocannabinol (THC), ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, der in der Hanfpflanze Cannabis sativa vorkommt. THC ist für die charakteristische psychedelische Wirkung von Marihuana und Haschisch, aber auch die meisten medizinischen Eigenschaften der Cannabispräparate verantwortlich. THC wirkt unter anderem aufheiternd, muskelentspannend, appetitanregend, hemmt einen Brechreiz, senkt den Augeninnendruck, erweitert die Bronchien und wirkt beruhigend sowie schmerzlindernd.

Cannabidiol (CBD) ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, der in den Hanfpflanzen Cannabis sativa und Cannabis indica vorkommt. Im Gegensatz zu THC hat CBD keine psychedelische Wirkung, sondern hemmt die berauschende und appetitsteigernde Eigenschaft von THC. CBD hat eine beruhigende und antidepressive Wirkung, lindert Schmerzen und ist entzündungshemmend. Weitere diskutierte Eigenschaften von CBD sind eine mögliche Wachstumshemmung bei Tumoren, sowie ein dämpfender Einfluss auf psychotische Symptome bei Schizophrenie und Morbus Parkinson.

Industriehanf für pharmakologische Zwecke

Pharmakologisch verwendete Cannabispräparate dürfen einen THC-Gehalt über einem Prozent aufweisen. Einzelne Apotheken sind befugt, diese Produkte als Magistralrezepturen herzustellen (Magistralrezepturen sind Arzneimittel, die auf ärztliches Rezept für eine bestimmte Person in der Apotheke hergestellt werden). Zur Verfügung stehen beispielsweise Dronabinol und andere.

Mit Sativex® steht ein von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zugelassenes Fertigarzneimittel zur Therapie der MS-induzierten Spastik auf Basis von Medizinalcannabis zur Verfügung. Der Mundspray enthält einen Wirkstoff, der  über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Sativex® wird gemäß dem Österreichischen Erstattungskodex von den Krankenkassen erstattet. Für die Erstattung ist ein von der behandelnden Neurologin bzw. vom behandelnden Neurologen ausgestelltes Rezept erforderlich.