Ocrevus: EU-Zulassung für verkürzte Infusionszeit

Die Infusionszeit von Ocrelizumab (Ocrevus®) kann bei einer zweimaligen Verabreichung im Jahr von derzeit 3,5 auf 2 Stunden reduziert werden.

Arzt verabreicht junger Patientin Infusion, Foto: Pro Stock Media

Ocrelizumab: Therapie bei aktiver RMS und PPMS durch B-Zell-Depletion

Der humanisierte monoklonale Anti-CD20-Antikörper Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus®) war bislang zur Behandlung erwachsener Patientinnen und Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RMS) mit aktiver Erkrankung, definiert durch klinischen Befund oder Bildgebung, mit einer Infusionszeit von 3,5 Stunden zugelassen. Auch Personen mit primär progredienter MS (PPMS) wird das Medikament verabreicht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erteilte am 28. Mai 2020 eine erweiterte Zulassung: Bei gleich hoher Dosierung kann das Medikament weiterhin 2 Mal jährlich als intravenöse Infusion verabreicht werden, doch statt einer Infusionszeit von 3,5 Stunden darf die Infusion nun innerhalb von 2 Stunden erfolgen.

Dosierung

Die Initialdosis von 600 mg wird in Form von 2 getrennten intravenösen Infusionen gegeben. Eine erste Infusion zu 300 mg, gefolgt von einer zweiten Infusion zu 300 mg, die 2 Wochen später gegeben wird. Folgedosen von Ocrevus werden als intravenöse Einmalinfusionen zu 600 mg alle 6 Monate gegeben. Die erste Folgedosis zu 600 mg sollte 6 Monate nach der ersten Infusion der Initialdosis gegeben werden. Zwischen jeder Dosis von Ocrevus ist ein Mindestabstand von 5 Monaten einzuhalten.

Zulassungsstudie

Die Zulassung für die verkürzte Infusionszeit basiert auf Daten der randomisierten, doppelblinden Studie ENSEMBLE PLUS und der zuvor erfolgten positiven Empfehlung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP). Die ENSEMBLE PLUS-Studie zeigte eine vergleichbare Häufigkeit und Schwere infusionsbedingter Reaktionen für eine zweistündige Infusionszeit im Vergleich zur herkömmlichen 3,5-stündigen intravenösen Infusion.

Insgesamt wurde die Studie mit 580 Probandinnen und Probanden mit rezidivierend-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) durchgeführt, von denen 289 Personen die Ocrelizumab-Dosis innerhalb von 2 Stunden und 291 innerhalb von 3,5 Stunden erhielten. Die erste Dosis wurde gemäß dem genehmigten Dosierungsschema (2 intravenöse Infusionen mit 300 mg im Abstand von zwei Wochen) verabreicht, die zweite oder spätere Dosis (intravenöse Infusion mit 600 mg) wurde über den kürzeren Zeitraum von zwei Stunden infundiert.

Der primäre Endpunkt der Studie war der Anteil der Personen mit infusionsbedingten Reaktionen nach der ersten randomisierten 600-mg-Infusion (Häufigkeit / Schweregrad während und 24 Stunden nach der Infusion). Die Häufigkeit infusionsbedingter Reaktionen war zwischen Probandinnen und Probanden, die eine 2-stündige Infusion  (24,6 %) und jenen, die die 3,5-stündige Infusion erhalten hatten (23,1 %) vergleichbar. Der Großteil der infusionsbedingten Reaktionen war leicht oder mäßig, und mehr als 98 % lösten sich in beiden Gruppen ohne Komplikationen auf. Keine der infusionsbedingten Reaktionen waren lebensbedrohlich, schwerwiegend oder tödlich. Keine der Studienteilnehmenden hat die Studie aufgrund einer infusionsbedingten Reaktion abgebrochen, es wurden auch keine neuen Sicherheitssignale festgestellt.

B. Yamout, B. Brochet, C. Nos, L. Mehta, Q. Wang, H. Hartung et al.: Ensemble-plus Study Design: An Investigation of Shortened Ocrelizumab Infusion Time on Infusion-related Reactions in Patients with Relapsing Multiple Sclerosis from the Phase Iiib Ensemble-plus Study. Multiple Sclerosis and related disorders P605, Volume 26, P256, November 01, 2018, DOI: https://doi.org/10.1016/j.msard.2018.10.082

Quelle: Aussendung Roche