COVID-19-bedingte Maßnahmen belasten Psyche

Die starke Einschränkung der sozialen Kontakte während der Zeit der COVID-19-Pandemie geht mit großen psychischen Herausforderungen einher. Eine Umfrage der Donau-Universität Krems und des österreichischen Bundesverbands für Psychotherapie belegt, dass bei einem Großteil der Menschen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden, negative Auswirkungen durch die Corona-Maßnahmen bemerkbar sind. So verschlimmern sich beispielsweise bestehende Symptome, und bereits überwundene Traumata werden wieder aktiv.

Frau liegt auf Therapeutencouch, Text: Corona-bedingte Maßnahmen belasten Psyche, Bild: Canva

Psychotherapeutinnen beobachten bei 70 Prozent der Klientinnen und Klienten negative Auswirkungen

Eine von Univ.-Prof. Dr. Thomas Probst vom Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit an der Donau-Universität Krems und dem Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP) durchgeführte Umfrage unter 1.547 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zeigt, dass sich die Corona-Krise überwiegend negativ auf Patientinnen und Patienten der Psychotherapie auswirken. So berichteten 70 Prozent der befragten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten über ausschließlich negative Auswirkungen. 16,3 Prozent gaben sowohl negative und positive Auswirkungen der Maßnahmen an. 5,3 Prozent der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten beobachteten nur positive Auswirkungen, und 8,3 Prozent verzeichneten noch keine Auswirkungen auf ihre Patientinnen und Patienten.

Angst, Einsamkeit oder Beengtheit durch die Familie sind die am häufigsten genannten Auswirkungen der Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung von COVID-19. Viele Menschen machen sich zudem Sorgen über eine Wirtschaftskrise und begrenzte finanzielle Ressourcen. Die Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten beobachten weiters, dass sich die Symptomatik bei Patientinnen und Patienten verschlimmert und überwundene Traumata wieder aktiv werden können.

„Besonders belastend ist die aktuelle Situation für Erwachsene unter 35 Jahren, Frauen, Singles und Menschen ohne Arbeit, während Menschen über 65 Jahre deutlich weniger belastet sind.“
Studienautor Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit an der Donau-Universität Krems

Unbestritten sind die Maßnahmen der Regierung bedeutsam, um Leben zu retten. Auch wenn Probst zufolge Menschen, die sich in Psychotherapie befinden, besonders sensitiv reagierten, haben Quarantäne und Isolation auf alle Menschen starke Auswirkungen. „Wir wissen allerdings, dass wir psychische Probleme gut mit der Psychotherapie lösen können. Daher ist es wichtig, dass sich alle Betroffenen Hilfe suchen und die Möglichkeiten für eine Therapie geschaffen werden“, erklärte Probst.

Zur Studie

Alle Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten der österreichischen PsychotherapeutInnenliste mit beruflicher E-Mail-Adresse (ca. 6.000) wurden zur Teilnahme an einer Online-Umfrage vom 24. März bis 1. April 2020 eingeladen. 1.547 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten nahmen teil. Sie waren im Mittel 51,67 Jahre alt, 75,7 Prozent waren weiblich. Auf die Frage der Auswirkungen der Maßnahmen der Regierung auf die PatientInnen, haben 1.347 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auswertbar (positiv vs. negative Auswirkungen) geantwortet. Die Studienautoren sind Univ.-Prof. Dr. Thomas Probst, Mag. Martin Kuska, PhD, Dr. Peter Stippl und Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh.

Quelle: Donau-Universität Krems

Ein offenes Ohr auch während der Coronavirus-Pandemie

Auch während der Coronavirus-Pandemie haben die Expertinnen der MS-Gesellschaft ein offenes Ohr für die Anliegen von Menschen mit Multipler Sklerose und ihren Angehörigen.

Roter Telefonhörer, Text: MS-Hotline 0800 311 340. Montag bis Freitag von 9:00 bis 13:00 Uhr

Während das multiprofessionelle Team meist mit Fragen zu Themen wie Pflegegeldeinstufung, Förderungsmöglichkeiten und rechtlichen Aspekten konfrontiert ist, nehmen seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus immer mehr MS-Betroffene das Gesprächsangebot über die kostenfreie MS-Hotline 0800 311 340 an und tauschen sich mit unseren Psychotherapeutinnen und Sozialarbeiterinnen darüber aus, wie es ihnen in der aktuellen Krise psychisch geht.

Genauso wichtig wie ein Einkauf kann auch ein Anruf bei der MS-Hotline sein. Denn wie die Multiple Sklerose selbst, kann auch die derzeitige Situation rund um das Coronavirus das Gefühl der Ungewissheit über die Zukunft und somit auch Ängste und Sorgen bereiten.

Vieles ist jetzt nicht mehr, wie es war.

Die Anruferinnen und Anrufer erleben es als äußert entlastend, einfach mal über Sorgen und Ängste zu sprechen. Das Coronavirus kennt nämlich keine Routine, und die Situation, in der wir uns alle befinden, ändert sich täglich.

Psychisch gesund bleiben in der Zeit der Corona-Krise

Interview mit Mag. Julia Asimakis, Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Multiple Sklerose

 

MS-Gesellschaft Wien bietet kostenfreie psychotherapeutische Begleitung für Menschen mit MS und Angehörige

Die plötzliche Gewissheit, an einer chronischen Erkrankung mit unvorhersehbarem Verlauf zu leiden, löst Unsicherheit und Ängste aus. In dieser Situation gut zurecht zu kommen, erfordert nicht nur familiären Rückhalt und einen stabilen Freundeskreis, sondern auch Zeit, gründliche Aufklärung und Information. Manchmal ist es aber auch sinnvoll oder notwendig, psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

In diesem Sinne bietet die Multiple Sklerose Gesellschaft Wien psychotherapeutische Begleitung für Menschen mit MS und Angehörige an. Psychotherapie kann nicht nur im Zuge der Erstdiagnose, sondern auch im weiteren Verlauf der Erkrankung hilfreich sein – immer dann, wenn Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung auftreten und Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit oder Verzweiflung schwer bewältigbar erscheinen. Sie unterstützt bei entsprechenden Prozessen der Klärung und Neuorientierung.

Zielgruppen

Erwachsene, Jugendliche und Kinder

Settings

Einzel-, Paar- und Familientherapie

Kosten

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist dieses Angebot kostenlos. Die Kosten werden von der Multiple Sklerose Gesellschaft Wien und Ihrer Krankenkasse getragen.

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist ein durch das österreichische Psychotherapiegesetz geregeltes Heilverfahren im Gesundheitsbereich. Psychotherapie ist das gezielte Behandeln psychischer, psychosozialer oder psychosomatischer Leidenszuständen bzw. psychischer Folgen bei körperlichen Erkrankungen. Im Mittelpunkt der Therapie stehen das Gespräch und der Austausch, je nach Methode können auch Übungen gemacht und gezielte Interventionen gesetzt werden.

Unsere Arbeitshaltung, unser Arbeitsverständnis

Unsere Haltung ist von Wertschätzung, Respekt und Empathie getragen und von der Überzeugung geprägt, dass eine vertrauensvolle zwischenmenschliche Beziehung Veränderung und persönliche Entwicklung ermöglicht und fördert.

Wir betrachten den Menschen als ein Wesen, das mit seiner Körperlichkeit und seiner seelischen Befindlichkeit in gesellschaftliche Bedingungen eingebettet ist und daher auch in der Psychotherapie in diesen Zusammenhängen Beachtung finden muss.

Mögliche Themen

Gerade durch diese menschliche Komplexität sind thematische Anliegen sehr vielfältig. Ängste in Bezug auf Zukunft, Behinderung, Abhängigkeit und Verlust von körperlicher Integrität können ebenso auftreten wie zwischenmenschliche Probleme im Rahmen der Familie, der Freundinnen und Freunde oder der Arbeitskolleginnen und -kollegen. Körperliche und seelische Identität, Sexualität und Lebensqualität verlieren manchmal ihre bisherige Selbstverständlichkeit und müssen erst wieder neu gefunden werden. Gedrückte Stimmung kann die Freude am Leben und die Bewältigung des Alltags schwierig erscheinen lassen. Manchmal ist es aber vielleicht einfach nur wichtig, einen Ort und ein offenes Ohr für Themen wie Sterben und Tod zu finden, Themen die sonst scheinbar kaum ausgedrückt werden können.

Ziele, Anliegen, Motivationen/Wirksamkeit von Psychotherapie:

Psychotherapie wirkt lindernd, gesundheitsfördernd, vorbeugend und persönlichkeitsentwickelnd.

Sie fördert emotionalen Ausdruck, Sinneserleben, Beziehungsfähigkeit und kommunikative Kompetenzen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Körper, Förderung von kommunikativen Kompetenzen, Stärkung von sozialen Kontakten und Aktivitäten und das Erkennen von Ressourcen stellen mögliche Ziele einer Therapie dar und tragen damit  bei, das Selbstwertgefühl zu festigen, Handlungs- und Wahlmöglichkeiten zu entwickeln und letztlich Bewältigungsstrategien und Zukunftsperspektiven zu kreieren.

Psychotherapeutinnen

  • Mag. Karin Wunderlich
  • Katharina Schlechter, B.A.
  • Mag. Julia Asimakis

Verschwiegenheitspflicht

Die psychotherapeutische Behandlung unterliegt einer gesetzlich verankerten Verschwiegenheitspflicht von Seiten der Psychotherapeutin.

Anmeldung zum persönlichen Gespräch

Telefonisch bei Katharina Schlechter oder Karin Wunderlich. Die MS-Gesellschaft Wien besitzt ein bestimmtes Kontingent an Therapieplätzen. Sollte im Moment kein freier Platz für Sie vorhanden sein, setzen wir Sie auf unsere Warteliste. Sobald ein Platz frei geworden ist, melden wir uns bei Ihnen umgehend.

MS-Hotline: 0800 311 340 (kostenlos vom österreichischen Festnetz und von Mobilfunknetzen erreichbar)

Ablauf

In einem Erstgespräch klären wir Ihre Anliegen, Ziele und Themen und entscheiden über die weitere Vorgehensweise. Für einen positiven Psychotherapieverlauf ist ein regelmäßiger Kontakt wichtig, deshalb werden wir im Normalfall wöchentliche Termine vereinbaren. In den Terminen wird dann an Ihren individuellen und auch aktuellen Themen gearbeitet. Am Ende der Therapie wird ein Abschlussgespräch vereinbart um den Psychotherapieprozess abzurunden.

Hausbesuche

Die Österreichische Gesundheitskasse übernimmt die Kosten für Hausbesuche unserer Psychotherapeutinnen im Raum Wien. Wenn Sie bettlägrig sind, die Österreichische Gesundheitskasse  Ihre Versicherung ist und Sie dieses Angebot in Anspruch nehmen möchten, vereinbaren Sie bitte einen Termin unter der Telefonnummer 01 409 26 69 oder unter der Hotline 0800 311 340 (kostenlos vom österreichischen Festnetz und von Mobilfunknetzen erreichbar).