Interview: Neuartiges Coronavirus und Multiple Sklerose

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek, Präsidentin der MS-Gesellschaft Wien, informiert über das neuartige Coronavirus.

Illustration Coronavirus, Credit: iXimus auf Pixabay

Frau Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Kornek, das „neuartige Coronavirus“, von der Weltgesundheitsorganisation als SARS-CoV-2 bezeichnet, ist in aller Munde. Mit welchen Fragen wenden sich Patientinnen und Patienten in der MS-Ambulanz im Wiener AKH an Sie?

Univ.-Prof. Dr. B. Kornek: Die am meisten gestellte Frage ist jene, ob MS-Betroffene ein höheres Risiko haben, sich mit dem Virus zu infizieren und intensivere Vorsichtsmaßnahmen treffen sollen als Menschen, die nicht an MS erkrankt sind.

Wie wirken sich Medikamente zur Behandlung der MS auf die Abwehrkraft aus?

Univ.-Prof. Dr. B. Kornek: Bislang ist nicht bekannt, wie sich dieses neue Corona-Virus auf MS-Betroffene auswirkt.
Im Rahmen der MS-Behandlung kommen Medikamente mit immunmodulierendem Wirkmechanismus und Immunsuppressiva zum Einsatz. Erstere, dazu gehören in erster Linie die Interferon-beta Präparate und Copaxone®, führen nicht zu einer nennenswerten Unterdrückung des Immunsystems, und es besteht daher auch – nach derzeitigem Stand – kein erhöhtes Risiko.
Menschen mit MS, die Medikamente erhalten, die das Immunsystem teilweise unterdrücken, können ein gering erhöhtes Risiko für Komplikation im Rahmen von Viruserkrankungen haben. Dieses liegt jedoch im einstelligen Bereich.

Welche Vorsichtmaßnahmen sollten Menschen mit MS treffen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen?

Univ.-Prof. Dr. B. Kornek: Das neuartige Corona-Virus kann Fieber, Husten und Atembeschwerden verursachen und zu einer Lungenentzündung führen.
Die WHO nennt einige Maßnahmen, um sich vor einer Infektion zu schützen:

  • Waschen Sie Ihre Hände häufig mit einem alkoholischen Handreiniger oder mit Seife und Wasser.
  • Bedecken Sie beim Husten und Niesen Mund und Nase mit einem gebeugten Ellbogen oder Gewebe.
  • Halten Sie mindestens einen Meter Abstand zwischen sich und anderen Personen, insbesondere jenen, die husten und niesen.
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund.
  • Beachten Sie die Empfehlungen zur Lebensmittelsicherheit, indem Sie verschiedene Schneidebretter für rohes Fleisch und gekochte Lebensmittel verwenden und sich zwischen den Handgriffen die Hände waschen.

Es ist wichtig, den Kontakt mit Personen zu vermeiden, die möglicherweise in einem Gebiet leben oder reisen, in dem SARS-CoV-2 im Umlauf ist. Derzeit sind die Risiko-Regionen Asien und Italien.

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek

Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek, Präsidentin MS-Gesellschaft Wien

Wohin können sich MS-Betroffene bei Fragen wenden?

Univ.-Prof. Dr. B. Kornek: Das Ministerium für Soziales und Gesundheit hat eine Hotline eingerichtet:
Coronavirus-Hotline: 0800 555 621
Darüber hinaus kann bei Fragen der behandelnde Arzt/Ärztin kontaktiert werden.

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