Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Ocrelizumab (Ocrevus®)

Ocrelizumab (Ocrevus®)2019-11-06T08:18:57+01:00

Ocrelizumab

Das Immunsuppressivum Ocrelizumab (Ocrevus®) wurde als erstes Medikament zur Therapie der primär chronisch progredienten Verlaufsform von Multipler Sklerose zugelassen.

Primär progrediente MS (PPMS)

Die von Beginn an allmählich fortschreitende, primär progrediente MS (PPMS), bei der keine Schübe auftreten, ist die seltenste Form der Multiplen Sklerose und betrifft rund zehn bis 15 Prozent aller diagnostizierten MS-Betroffenen. Sie ist durch eine von Beginn an langsam voranschreitende Behinderung gekennzeichnet und geht meist mit einer zunehmenden Beeinträchtigung der Gehfähigkeit einher. Diese ist vor allem auf Lähmungen und eine Erhöhung der Muskelspannung (Spastik) zurückzuführen. Der Krankheitsgipfel erfolgt in den meisten Fällen erst ab dem 40. Lebensjahr und das Fortschreiten der Erkrankung kann rascher als beim schubhaften Verlauf vorangehen. Die PPMS äußert sich vor allem durch Gehbeschwerden, Halbseitenschwäche, Spastiken und eine Beeinträchtigung der Blasen-, Darm- und Sexualfunktionen.

Behandlung der PPMS mit monoklonalem Antikörper

Während in Europa für die schubhafte Form der MS insgesamt 16 Medikamente zugelassen sind, steht für Menschen mit primär progredienter MS lediglich eine B-Zell-Therapie zur Verfügung: Ocrelizumab (Handelsname Ocrevus®) wirkt durch die Hemmung der B-Zellen und ist in Europa seit 2018 zugelassen.

Bei Ocrelizumab handelt es sich um einen humanisierten monoklonalen Antikörper, der an CD20-positive B-Zellen bindet, die bei Multipler Sklerose eine große Rolle spielen, und führt zur – reversiblen – Elimination dieser Zellen. Das Fortschreiten der Erkrankung wird – besonders bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit kürzerer Erkrankungsdauer und nachweisbarer Krankheitsaktivität – gebremst.

Ocrelizumab kann nach zwei Initial-Infusionen im Abstand von zwei Wochen halbjährlich im niedergelassenen Bereich verabreicht werden.

In Österreich wird Ocrelizumab derzeit nicht von den Kassen erstattet, daher muss um eine Einzelfallgenehmigung angesucht werden.

Nebenwirkungen:
Zu den wichtigsten Nebenwirkungen zählen Veränderung der körpereigenen Abwehr wie grippeähnliche Nebenwirkungen, Kopfschmerzen, Knochenschmerzen, gesteigerte Infektanfälligkeit und in einzelnen Fällen allergische Reaktionen auf die Substanz, Infusionsreaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag und Atembeschwerden, leichte bis mittelschwere Infektionen der oberen Atemwege und Kopfschmerzen.

In Studien wurde eine leicht erhöhte Zahl von Krebserkrankungen (insbesondere Brustkrebs) gegenüber Plazebo festgestellt, die aber der Krebsrate der Allgemeinbevölkerung zu entsprechen scheint.

Ein Fall einer Progressiven Multifokalen Leukenzephalopathie (PML) unter Ocrelizumab dürfte auf die vorangegangene Behandlung mit Natalizumab zurückzuführen sein, also eine sogenannte carry-over-Konstellation zu einem Zeitpunkt, zu dem die PML vor der Ocrelizumab-Infusion klinisch noch nicht erkennbar war. Regelmäßige neurologische Kontrollen zum PML-Screening sind anzuraten.

Auftretende Infekte sollten rasch und ausreichend behandelt werden.

Handbuch Ocrelizumab (PDF)05