Zum Inhalt Zum Hauptmenü
Cladribin2019-03-13T08:49:27+02:00

Cladribin

Cladribin (Mavenclad®) zählt zu den Immuntherapien und ist für Patientinnen und Patienten mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen. Cladribin wird als Tablette über einen Zeitraum von zwei Jahren in vier Zyklen von jeweils fünf Tagen eingenommen. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten reduziert Cladribin die Häufigkeit von Schüben und hält die Zunahme der Behinderung auf. Cladribin muss selten eingenommen werden, da das Medikament das Immunsystem langfristig beeinflusst.

Cladribin ist ein sogenanntes Nukleosidanalogon und ähnelt den Bausteinen des menschlichen Erbguts. Sobald Zellen diese fremden Bausteine in ihr Erbgut einbauen, wird ihre Funktion gestört, wodurch sie schneller zugrundegehen als üblich. Aus diesem Grund kann Cladribin Krebszellen bekämpfen und ist als Chemotherapie bei der Haarzellleukämie zugelassen.

Cladribin gehört zu den Immuntherapien der MS, die unter der Vorstellung entwickelt wurden, dass es sich bei der MS vor allem um eine Erkrankung des Immunsystems handelt. Generell zielen Immuntherapien darauf ab, die Immunreaktionen teilweise zu unterdrücken. Cladribin wirkt besonders auf bestimmte Untergruppen weißer Blutkörperchen (Lymphozyten). Indem Immunzellen Cladribin als Baustein in ihr Erbgut einbauen, sinkt deren Anzahl vorübergehend ab, wodurch bestimmte Funktionen gestört
werden können.

Einnahme

Cladribin wird in Form von Tabletten in insgesamt vier Behandlungszyklen über einen zeitraum von zwei Jahren eingenommen. In beiden Jahren gibt es je zwei Behandlungszyklen von vier bis fünf Tagen im Abstand von einem Monat.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen, die bei der Einnahme von Cladribin in Studien auftraten, waren Kopfschmerzen und eine Verminderung der weißen Blutzellen. Diese Verminderung betrifft vor allem die Lymphozyten. Die Anzahl der weißen Blutzellen muss deshalb in regelmäßigen Abständen mit einem großen Blutbild bestimmt werden. Fällt die Zahl der Lymphozyten unter einen bestimmten Grenzwert, sollte keine Medikamentengabe erfolgen, bis sich die Werte wieder normalisiert haben.

Behandlungsdauer

Die Behandlungsdauer mit Cladribin-Tabletten ist für zwei Jahre vorgesehen, mit anschließenden zwei Jahren ohne Therapieeinnahme. Die Langzeitdaten der Zulassungsstudie sprechen dafür, dass der Effekt zumindest tweilweise über einen Zeitraum von zwei weiteren Jahren anhält. Über diese Zeit hinaus liegen keine Daten vor.

Nutzen und Risiko der Einnahme müssen laufend überprüft werden. Ein Abschätzen des Nutzens ist oft frühestens nach einem Jahr möglich. Als Hinweise für eine Wirksamkeit werden allgemeine Schubfreiheit und das Fehlen neuer Herde in der MRT angesehen.

Cladribin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden.

Quelle: Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose, 1. Auflage März 2018, Stand der Empfehlung: 20.02.2018 (Gültig bis: 20.02.2020)