Nervenzell-Stimulation mit Ultraschall

Gezielte Ultraschallimpulse eignen sich zur zielgerichteten Behandlung von etlichen Gehirnerkrankungen, die bisher nur eingeschränkt therapierbar sind. Indem noch funktionierende Nervenzellen von außen aktiviert werden, können bei Menschen mit Hirnerkrankungen wie Alzheimer-Demenz, Parkinson, Schlaganfall, Multipler Sklerose oder Nervenschmerzen Hirnfunktionen verbessert werden. Die transkranielle Pulsstimulation (kurz: TPS-Stimulation) mit Ultraschall steht bereits an der Schwelle breiter Anwendung in der klinischen Praxis.

Symboldbild Nervenzell-Stimulation mit Ultraschall: Gehirn und Ultraschallwellen. Credit: Canva

Mit gezielten Ultraschallimpulsen lässt sich eine Reihe an Gehirnerkrankungen, die bisher nur eingeschränkt therapierbar sind, punktgenau behandeln. Einige revolutionäre Verfahren dieser Art wurden in den vergangenen Jahren maßgeblich in Toronto und auch an der MedUni Wien entwickelt. Das Wiener Verfahren verbessert Hirnfunktionen, indem noch funktionierende Nervenzellen von außen aktiviert werden. Verbesserungen sind bei verschiedenen neuropsychiatrischen Hirnerkrankungen wie Alzheimer-Demenz, Parkinson, Schlaganfall, Multipler Sklerose oder Nervenschmerzen erwartbar.

 

Forschende an der Abteilung für Neurologie an der MedUni Wien entwickelten in Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Toronto eine neue Methode, mit der gestörte Hirnstammfunktionen nichtinvasiv untersucht und auch behandelt werden können. Ein breiter klinischer Roll-out der transkraniellen Pulsstimulation mit Ultraschall (TPS) ist bereits in Sichtweite.

Neuartige Konzepte für Ultraschall-Gehirntherapie

Hochfokussierte Ultraschallwellen ermöglichen eine nicht-invasive Chirurgie, die fokale Übertragung von Medikamwenten oder Genen an ausgewählten Stellen des Gehirns sowie die therapeutische Modulation neuronaler Netzwerke bei verschiedenen Gehirnerkrankungen. Laut Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Roland Beisteiner, unter dessen Leitung die neue Methode der transkraniellen Pulsstimulation mit Ultraschall (TPS) an der Universitätsklinik für Neurologie von MedUni Wien und AKH Wien entwickelt wurde, sind die neuartigen Ultraschall-Methoden kein „Entweder-Oder“, sondern ein echtes Plus für die klinische Praxis: Die in Wien und Toronto entwickelten Techniken stellen neuartige Zusatzoptionen dar, mit denen bereits etablierte Therapien ergänzt werden können. Die inzwischen publizierten Daten von Studienteilnehmenden würden zeigen, dass die transkraniellen Ultraschallinnovationen sicher und für eine breite klinische Anwendung bereit sind. Der große Zusatzvorteil des Wiener Verfahrens: es ist nahezu nebenwirkungsfrei.

Neben den auch schon mit älteren, weniger genauen Hirnstimulationsverfahren untersuchten Erkrankungen Alzheimer, Parkinson, Schlaganfall, Multipler Sklerose und Nervenschmerzen gibt es laut Beisteiner für die transkranielle Pulsstimulation mit Ultraschall wahrscheinlich auch ganz neue Einsatzbereiche. Da es sich bei der transkraniellen Pulsstimulation um das einzige Verfahren handelt, das auch tiefe Hirnregionen gezielt nicht-invasiv aktivieren kann, sind laut Beisteiner alle Erkrankungen, bei denen eine Rehabilitation gestörter Hirnfunktionen über die Aktivierung noch funktionierender Nervenzellen möglich ist, Kandidaten für die neue  Therapie. Für die Alzheimertherapie ist die transkranielle Pulsstimulation bereits zugelassen.

Anfragen zur Teilnahme an Studien

Die neuen Ultraschalltherapien werden im Rahmen von Studien sowie an verschiedenen Therapiezentren angeboten. Da es sich  um hochkomplexe Verfahren handelt, erfordern sie eine umfangreiche Abklärung der Patientinnen und Patienten und ausgewiesene neurowissenschaftliche Expertise für die Behandlungsdurchführung.
Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Univ. Prof. Dr. Roland Beisteiner: roland.beisteiner@meduniwien.ac.at, Informationstelefon Dienstag bis Donnerstag 9:00-12:00 Uhr: 0043-1-40400-34060

Literatur:

Roland Beisteiner, Andres M. Lozano: Transcranial Ultrasound Innovations Ready for Broad Clinical Application. Advanced Science; First published: 27 October 2020, https://doi.org/10.1002/advs.202002026