Psychische Gesundheit unter COVID-19

Körperliche Isolation und Trennung von anderen Personen über längere Zeiträume hinterlassen nachhaltige psychische Spuren. Das ergab die erste Auswertung eines Crowdsourcing-Projektes der Ludwig Boltzmann Gesellschaft unter dem Motto „Reden Sie mit!“, an dem mehr als 800 Personen aus ganz Österreich psychische Belastungen in der Corona-Zeit beschrieben haben.

Mutter sitzt auf Bett, arbeitet am Laptop, 2 Kinder springen auf dem bett, Text: Psychische Gesundheit in der Corona-Krise. Frauen, vor allem berufstätige Mütter, sind von den Covid-19-Auswirkungen besonders betroffen. Foto: Canva

Die von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) kurzfristig gestartete Initiative „Reden Sie mit! Was macht Corona mit unserer psychischen Gesundheit?“ wurde von der Bevölkerung und der Wissenschaft sehr gut angenommen: Seit Anfang Mai reichten innerhalb von zehn Wochen mehr als 800 Personen aus allen neun Bundesländern persönliche Beiträge ein und beschrieben psychische Belastungen in der Corona-Zeit.

Anhand der Beiträge leitet ein interdisziplinäres Team an Expertinnen und Experten konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik ab und identifiziert neue Forschungsfragen, die im Herbst 2020 der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Claudia Lingner, LBG-Geschäftsführerin und Initiatorin der Reden Sie mit!-Initiative zufolge stießen die beteiligten Forscherinnen und Forscher bei der ersten Auswertung der Daten auf bisher unbekannte Problemfelder. Dies zeige, wie wichtig es sei, die Bevölkerung einzubinden und Expertinnen und Experten sowie Praktikerinnen und Praktiker an einem Tisch zusammenbringen, so Lingner.

Nachhaltige psychische Spuren durch Isolation

Eine erste Analyse verstärkt die Annahme, dass Frauen, vor allem berufstätige Mütter, von den Covid-19-Auswirkungen besonders betroffen sind und bisher eine zu geringe Unterstützung erfahren haben. Sie beschreiben unter anderem, dass sie sich von der Gesellschaft massiv unter Druck gesetzt fühlen und den Anforderungen nicht gerecht werden können.

Überraschend ist, dass vor allem gut ausgebildete Jugendliche und junge Erwachsene der Zukunft eher skeptisch entgegensehen und finanzielle Sorgen haben. Belastend ist für sie vor allem die große Ungewissheit hinsichtlich nächster Ausbildungsschritte und des Arbeitsplatzangebots.

Als Metathema über alle Personengruppen hinweg zeigt sich, dass die körperliche Isolation und Trennung von anderen Personen über längere Zeiträume nachhaltige psychische Spuren hinterlässt. Das drückt sich etwa in Form von Angst- und Schlafstörungen aus, über die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Crowdsourcings berichten. Auch Aggressivität und Ungeduld wie auch „Ablenkung“ in Form von gesteigertem Alkohol- und Medienkonsum sind Anzeichen dafür.

Überraschend ist auch, dass nicht alle Beitragenden die Einschränkungen per se als schlecht und belastend empfunden haben. Einige Personen nahmen die Situation auch als eine langersehnte Entschleunigung war und nutzten die Zeit zur persönlichen Neuausrichtung.

Nähere Informationen finden Sie auf der Website https://corona.lbg.ac.at.

Quelle: Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Bild: Frau liegt mit Tasse Tee im Bett, Text: Wir danken für jede noch so kleine Spende, damit wir Menschen mit Multipler Sklerose zuverlässig beraten und informieren können