Psychotherapie: Initiative für mehr krankenkassenfinanzierte Plätze

Die Initiative #mehrpsychotherapiejetzt setzt sich für einen besseren Zugang zur Psychotherapie ein.

Symbolbild Psychotherapie: Junge Frau mit Jeansjacke und gefalteten Hände, Credit: Priscilla Du Preez on Unsplash

Die heute gestartete Initiative #mehrpsychotherapiejetzt wurde vom Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) initiiert, um einen besseren Zugang zur Psychotherapie zu erwirken. Laut ÖBVP-Präsident Dr. Peter Stipp ist Psychotherapie seit mehr als 100 Jahren „das Mittel der Wahl bei der Behandlung psychischer Erkrankungen und Leidenszustände. “ Stippl ist überzeugt: „Wenn wir in Psychotherapie investieren, lassen sich in Zukunft lange Ausfälle durch Krankenstände und Frühpensionierungen verhindern.“

#mehrpsychotherapiejetzt macht sichtbar, was es braucht: „Psychische Erkrankungen sind gut behandelbar, aber Wartelisten und Leistbarkeitsfragen machen derzeit eine notwendige rasche Versorgung für Betroffene schwierig.“

Derzeit sind krankenkassenfinanzierte Plätze für Psychotherapie kontingentiert: Der ÖBVP geht davon aus, dass es für gerade einmal 0,8 Prozent der Bevölkerung Psychotherapie auf Krankenschein (e-card) gibt. Der Rest muss entweder lange warten oder in die eigene Tasche greifen: Die Hälfte der Betroffenen bezahlt die Psychotherapie selbst und bekommt nur ca. ein Drittel der Behandlungskosten ersetzt.

Die österreichischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten können den erhöhten Bedarf decken und haben darüber hinaus ausreichend Leistungsreserven. „Wir appellieren daher an Sozialversicherung und Bundesregierung, Psychotherapie im benötigten Umfang zu finanzieren und auf die Kontingentierung als historisches Relikt endlich zu verzichten. Nur so können schwerwiegende psychische Folgen der Krise verhindert werden. Wir stehen mit unserer Expertise bereit, rasch gemeinsam einen Plan zur Umsetzung zu erarbeiten“, erklärt Dr. Christa Pölzlbauer vom ÖBVP in einer Aussendung.

Psychotherapie auf Krankenschein für Menschen mit Multipler Sklerose

Die plötzliche Gewissheit, von einer chronischen Erkrankung mit unvorhersehbarem Verlauf betroffen zu sein, löst Unsicherheit und Ängste aus. In dieser Situation gut zurecht zu kommen, erfordert nicht nur familiären Rückhalt und einen stabilen Freundeskreis, sondern auch Zeit, gründliche Aufklärung und Information. Manchmal ist es aber auch sinnvoll oder notwendig, psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

In diesem Sinne bietet die Multiple Sklerose Gesellschaft Wien psychotherapeutische Begleitung für Menschen mit MS und Angehörige an. Psychotherapie kann nicht nur im Zuge der Erstdiagnose, sondern auch im weiteren Verlauf der Erkrankung hilfreich sein – immer dann, wenn Schwierigkeiten im Umgang mit der Erkrankung auftreten und Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit oder Verzweiflung schwer bewältigbar erscheinen. Sie unterstützt bei entsprechenden Prozessen der Klärung und Neuorientierung.

Zielgruppen

Erwachsene, Jugendliche und Kinder

Settings

Einzel-, Paar- und Familientherapie

Kosten

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist dieses Angebot kostenlos. Die Kosten werden von der Multiple Sklerose Gesellschaft Wien und Ihrer Krankenkasse getragen.

Was ist Psychotherapie?

Psychotherapie ist ein durch das österreichische Psychotherapiegesetz geregeltes Heilverfahren im Gesundheitsbereich. Psychotherapie ist das gezielte Behandeln psychischer, psychosozialer oder psychosomatischer Leidenszuständen bzw. psychischer Folgen bei körperlichen Erkrankungen. Im Mittelpunkt der Therapie stehen das Gespräch und der Austausch, je nach Methode können auch Übungen gemacht und gezielte Interventionen gesetzt werden.

Unsere Arbeitshaltung, unser Arbeitsverständnis

Unsere Haltung ist von Wertschätzung, Respekt und Empathie getragen und von der Überzeugung geprägt, dass eine vertrauensvolle zwischenmenschliche Beziehung Veränderung und persönliche Entwicklung ermöglicht und fördert.

Wir betrachten den Menschen als ein Wesen, das mit seiner Körperlichkeit und seiner seelischen Befindlichkeit in gesellschaftliche Bedingungen eingebettet ist und daher auch in der Psychotherapie in diesen Zusammenhängen Beachtung finden muss.

Mögliche Themen

Gerade durch diese menschliche Komplexität sind thematische Anliegen sehr vielfältig. Ängste in Bezug auf Zukunft, Behinderung, Abhängigkeit und Verlust von körperlicher Integrität können ebenso auftreten wie zwischenmenschliche Probleme im Rahmen der Familie, der Freundinnen und Freunde oder der Arbeitskolleginnen und -kollegen. Körperliche und seelische Identität, Sexualität und Lebensqualität verlieren manchmal ihre bisherige Selbstverständlichkeit und müssen erst wieder neu gefunden werden. Gedrückte Stimmung kann die Freude am Leben und die Bewältigung des Alltags schwierig erscheinen lassen. Manchmal ist es aber vielleicht einfach nur wichtig, einen Ort und ein offenes Ohr für Themen wie Sterben und Tod zu finden, Themen die sonst scheinbar kaum ausgedrückt werden können.

Ziele, Anliegen, Motivationen/Wirksamkeit von Psychotherapie:

Psychotherapie wirkt lindernd, gesundheitsfördernd, vorbeugend und persönlichkeitsentwickelnd. Sie fördert emotionalen Ausdruck, Sinneserleben, Beziehungsfähigkeit und kommunikative Kompetenzen. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Körper, Förderung von kommunikativen Kompetenzen, Stärkung von sozialen Kontakten und Aktivitäten und das Erkennen von Ressourcen stellen mögliche Ziele einer Therapie dar und tragen damit  bei, das Selbstwertgefühl zu festigen, Handlungs- und Wahlmöglichkeiten zu entwickeln und letztlich Bewältigungsstrategien und Zukunftsperspektiven zu kreieren.

Psychotherapeutinnen

Mag. Karin Wunderlich
Katharina Schlechter, B.A.
Mag. Julia Asimakis

Verschwiegenheitspflicht

Die psychotherapeutische Behandlung unterliegt einer gesetzlich verankerten Verschwiegenheitspflicht von Seiten der Psychotherapeutin.

Anmeldung zum persönlichen Gespräch

Telefonisch bei Katharina Schlechter oder Karin Wunderlich. Die MS-Gesellschaft Wien besitzt ein bestimmtes Kontingent an Therapieplätzen. Sollte im Moment kein freier Platz für Sie vorhanden sein, setzen wir Sie auf unsere Warteliste. Sobald ein Platz frei geworden ist, melden wir uns bei Ihnen umgehend.
Tel.: 01 409 26 69 oder MS-Hotline 0800 311 340 (kostenlos vom österreichischen Festnetz und von Mobilfunknetzen erreichbar)

Ablauf

In einem Erstgespräch klären wir Ihre Anliegen, Ziele und Themen und entscheiden über die weitere Vorgehensweise. Für einen positiven Psychotherapieverlauf ist ein regelmäßiger Kontakt wichtig, deshalb werden wir im Normalfall wöchentliche Termine vereinbaren. In den Terminen wird dann an Ihren individuellen und auch aktuellen Themen gearbeitet. Am Ende der Therapie wird ein Abschlussgespräch vereinbart um den Psychotherapieprozess abzurunden.

Hausbesuche

Die Österreichische Gesundheitskasse übernimmt die Kosten für Hausbesuche unserer Psychotherapeutinnen im Raum Wien. Wenn Sie bettlägrig sind, die Österreichische Gesundheitskasse  Ihre Versicherung ist und Sie dieses Angebot in Anspruch nehmen möchten, vereinbaren Sie bitte einen Termin unter der Telefonnummer 01 409 26 69 oder unter der Hotline 0800 311 340 (kostenlos vom österreichischen Festnetz und von Mobilfunknetzen erreichbar).

MS und Psyche. Krankheitsverarbeitung bei Multipler Sklerose

Mag. Julia Asimakis und Mag. Kerstin Huber-Eibl von der MS-Gesellschaft Wien verfassten die 36-seitige Broschüre “MS und Psyche. Krankheitsverarbeitung bei Multipler Sklerose”. Darin werden ausführlich mögliche emotionale Reaktionen und Problembereiche, die bei der Diagnose „Multiple Sklerose“ typi-scherweise entstehen können, behandelt. Die Broschüre bietet auch Unterstützung, den eigenen Weg zu finden.

Die 36-seitige Broschüre MS und Psyche. Krankheitsverarbeitung bei Multipler Sklerose behandelt ausführlich mögliche emotionale Reaktionen und Problembereiche, die bei der Diagnose „Multiple Sklerose“ typischerweise entstehen können und bietet Unterstützung dabei, den eigenen Weg zu finden.

Herausgegeben von der ÖMSG und der MS-Gesellschaft Wien mit freundlicher Unterstützung von Sanofi Genzyme, verfasst von Mag. Julia Asimakis und Mag. Kerstin Huber-Eibl.