Erleichterte Besuchsregeln in Wiener Pflegeeinrichtungen

Ab 4. Mai dürfen Bewohnerinnen und Bewohner von Wiener Wohn- und Pflegehäusern wieder Besuch empfangen.

Frau mit Mundschutz hinter einem Gitter, Text: Wien lockert Besuchsregeln in Pflegeeinrichtungen. Ab 4. Mai sind wieder Besuche in Wohn- und Pflegehäusern möglich. Credit: https://www.pexels.com/@nandhukumar

Die Stadt Wien wird ab 4. Mai 2020 das strenge Besuchsverbot in Wohn- und Pflegehäusern lockern. Die Einschränkung galt seit Mitte März und diente dem Schutz von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Covid-19-Infektionen. Besuche von Angehörigen sind nur einzeln und nach Voranmeldung möglich und beinhalten Hygienemaßnahmen.

Damit werden werden Kontakte von Angesicht zu Angesicht ermöglicht, diese Begegnungen werden in ausgewiesenen Bereichen der Pensionistenwohnhäuser und Pflegeheime stattfinden. Die gelockerten Regelungen haben Bürgermeister Michael Ludwig, Sozial- und Gesundheitsstadtrat Peter Hacker sowie Michael Binder, medizinischer Direktor des Krankenanstaltenverbundes, am 29. Mai in einem Mediengespräch im Wiener Rathaus angekündigt.

„Wir haben zu Beginn der Coronavirus-Krise sehr schnell gehandelt und die Pflegeeinrichtungen in der Stadt und ihre Bewohnerinnen und Bewohner sehr gut geschützt, da der Virus für Seniorinnen und Senioren besonders gefährlich ist. Damit hatten wir in erster Linie die körperliche Gesundheit der Menschen in den Pflegehäusern im Fokus, wichtig ist uns aber auch deren psychisches Wohlbefinden. Hier sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten Wochen oft eingesprungen. Wir werden allen MitarbeiterInnen nach dem Ende der Auswirkungen der Coronavirus-Krise ein sichtbares Dankeschön für ihren Einsatz und ihr Engagement vermitteln.“
Bürgermeister Dr. Michael Ludwig

Ludwig erwähnte in diesem Zusammenhang auch die bisherigen Schwerpunkt-Tests in stationären Pflegeeinrichtungen. Seit 16. April wurden demnach 3.700 Tests bei Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchgeführt, davon waren 59 Tests oder 1,6 Prozent positiv. Aktuell werden rund 2.000 Tests pro Woche von mobilen Teams des Roten Kreuzes durchgeführt. Derzeit leben rund 17.000 Menschen in stationärer Pflege, davon 8.000 in Häusern, die vom Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser betrieben werden. Mehr als 10.000 Personen sind in diesem Bereich tätig.

Für die Schaffung von Begegnungsräumen in den Pflegeorganisationen wurden allgemeine Leitlinien, die auf einem Beschluss des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien basieren, entwickelt. Diese Rahmenbedingungen wurden ganz bewusst weit gesteckt, sodass es in unterschiedlichen Häusern angepasste Regeln aufgrund der räumlichen Voraussetzungen und der Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohnern möglich sind.

„Die Entscheidungen, die wir getroffen haben, waren schmerzhaft und sind uns nicht leichtgefallen“, erklärte Stadtrat Hacker. „Aber die Ergebnisse der bisherigen Tests zeigen, dass die Rechnung des absoluten Schutzes von Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut aufgegangen ist. Mit diesem Schritt der Öffnung signalisieren wir, dass es Erleichterungen geben kann, aber immer mit Maß und Ziel“, sagte Hacker. Die Maßnahmen sind vorerst mit Ende Mai befristet. Zur Umsetzung der Verordnung wurden Leitlinien für die Pflegeorganisationen in Wien entwickelt, die auf die Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtungen angepasst werden können. „Wir haben diese Spielregeln ganz bewusst so weit offen gehalten, dass es in unterschiedlichen Häusern unterschiedliche Regeln für die Begegnungen geben kann. Dies ist notwendig, um auf die unterschiedlichen räumlichen Voraussetzungen und die Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Besucherinnen und Besucher Rücksicht nehmen zu können“, so Sozialstadtrat Hacker.

Um sich den spezifischen Problemlagen von Pflegeorganisationen im Zuge der Covid-19-Pandemie anzunehmen, wurde von der Stadt darüber hinaus ein eigener Pflegekrisenstab eingerichtet. Darin sind neben dem Fonds Soziales Wien, dem Krankenanstaltenverbund, der MA 40 und dem Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen auch Trägerorganisationen vertreten, mit denen die bevorstehenden Lockerungen abgestimmt wurden.

KAV-Direktor Binder wies auf die besondere Gefährdung der betroffenen Personengruppe hin: „Einerseits hat diese Erkrankungen eine besondere medizinische Auswirkung auf älteren Menschen, andererseits ist bei engen Wohnverhältnissen die Ansteckungsrate besonders hoch. Deshalb haben wir die sehr strengen Richtlinien erstellt.“

Besuche in den Apartments oder auf den Zimmern sind weiterhin nur in Ausnahmefällen für Menschen in kritischen Lebensphasen, für Palliativpatientinnen und -patienten sowie bei Sterbebegleitung möglich. Die Besuche sollen vorerst auf eine Person beschränkt bleiben. Die Verordnung basiert auf einem Beschluss des medizinischen Krisenstabs der Stadt Wien. Damit ist ein einheitlicher Rahmen für die rund 90 stationären Pflegeeinrichtungen in Wien garantiert, der sowohl die medizinisch-epidemiologischen Aspekte als auch die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen berücksichtigt.

Details der Leitlinien

  • Besuche nur nach Terminvereinbarung
  • Zeitliche Beschränkung
  • Registrierung von Besucherinnen und Besucher bei Zutrittskontrolle für mögliche Kontaktnachverfolgung
  • Ausschilderung der Besuchsinformationen und Spielregeln: Händehygiene, Mund-Nasen-Schutz, Abstand
  • Einrichtung von ausgewiesenen Bereich für Besucherinnen und Besucher (im Freien oder in eigenen Räumlichkeiten) und Kennzeichnung dieser z.B. mit Bodenmarkierungen
  • Regelmäßige Reinigung und Lüften der Räumlichkeiten
  • Schutz bzw. Abstand zwischen Sitzmöglichkeiten (z.B. Plexiglaswände, Tische, sonstige Möbel)
  • Begleitung der Besucherinnen und Besucher durch Fachpersonal

Wohn- und Pflegehäuser mit Schwerpunkt Pflege

Wohn- und Pflegehäuser mit Schwerpunkt Wohnen

Quelle: PID-Rathauskorrespondenz