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S1P-Modulator Ozanimod

//S1P-Modulator Ozanimod

S1P-Modulator Ozanimod

Der S1P-Modulator Ozanimod reduzierte in Studien bei Menschen mit schubförmigem Multiple-Sklerose-Verlauf die Anzahl der Krankheitsschübe deutlicher als Interferon-beta.

Symbolbild Forschung: Gläser mit Pipetten, Foto: Hans Reniers, Unsplash

Rund 80 Prozent der Menschen mit Multipler Sklerose haben einen schubförmigen Krankheitsverlauf (rezidivierend-remittierende MS, Abkürzung RRMS), der nach vielen Jahren in eine als schwieriger zu therapierende sekundär progrediente Verlaufsform (sekundär progrediente MS, Abkürzung SPMS) mit kontinuierlich zunehmender Behinderung übergehen kann. Die Krankeitsaktivität lässt sich mit verlaufsmodifizierenden Dauertherapien eindämmen, auch die Anzahl der auftretenden Schübe pro Jahr lässt sich meist mithilfe dieser Immunmodulation reduzieren. Zudem kann mit der medikamentösen Behandlung der Übergang in den chronisch-fortschreitenden Verlauf hinausgezögert werden. Bei etwa 10 Prozent der von Multipler Sklerose betroffenen Menschen liegt eine chronische, primär progrediente MS (Abkürzung PPMS) vor, bei der die Erkrankung allmählich fortschreitet und langsam zunehmend zu Behinderungen führt. (siehe Verlaufsformen bei Multipler Sklerose)

Therapieoptionen

Bei einem akuten Multiple Sklerose-Schub wird die aktuelle Entzündung bzw. das Immunsystem mit Kortisonpräparaten unterdrückt. Mithilfe einer langfristigen, verlaufsmodifizierenden bzw. immunmodulierenden Therapie wird versucht, die Anzahl der Krankheitsschübe, aber darüber hinaus auch die Krankheitsaktivität und -last zu reduzieren und zu verhindern, dass eine RRMS in eine SPMS übergeht. Dafür steht eine Reihe von Wirkstoffen zur Verfügung: Einerseits gibt es eine Basistherapie (Interferon-beta und Glatirameracetat), andererseits eine Eskalationstherapie mit stärker wirksamen Substanzen. (siehe Therapieformen bei Multipler Sklerose)

S1P-Rezeptor-Modulatoren

Mit Ozanimod, einer Weiterentwicklung des 2011 zugelassenen Wirkstoffs Fingolimod, könnte in Zukunft ein neues, wirksames und relativ gut verträgliches Präparat zur Verfügung stehen. Das lassen zumindest zwei randomisierte multizentrische Phase 3-Studien vermuten, in denen der oral einzunehmende S1P-Rezeptor-Modulator Ozanimod bei Probandinnen und Probanden mit rezidivierend-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) im Vergleich mit Interferon-beta die Schubhäufigkeit signifikant gesenkt hat.

Ozanimod, ein immunmodulierender Wirkstoff aus der Gruppe der oralen Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren (S1P-Rezeptor-Agonisten) gehört der gleichen Wirkstoffklasse wie Fingolimod und Siponimod an.

Während der 2011 zugelassene Wirkstoff Fingolimod bei Menschen mit schubförmiger Multipler Sklerose eingesetzt wird, erwies sich Siponimod in einer klinischen Studie auch bei der sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) als wirksam. Siponimod ist in den USA bereits zugelassen, für Europa liegt seit 14. November 2019 eine positive Stellungnahme des EMA-Ausschusses zur Behandlung von Erwachsenen mit aktiver SPMS, bei denen durch Rückfälle oder bildgebende Merkmale eine entzündliche Aktivität nachgewiesen wurde, vor.

Indem S1P-Rezeptor-Agonisten an S1P-Rezeptoren binden, wird verhindert, dass Immunzellen (Lymphozyten) Lymphknoten verlassen können, sodass deren Zahl im Blut sinkt. Ozanimod, eine Weiterentwicklung dieser Substanzgruppe, bindet selektiv an die S1P-Rezeptor-Untertypen 1 und 5. Die Phase-III-Studien SUNBEAM und RADIANCE untersuchten die Wirksamkeit und Sicherheit bei einer großen Zahl von Menschen mit RRMS und verglichen diese Faktoren bei mit Interferon(IFN) β-1a behandelten Personen. Beide Studien mit insgesamt mehr als 2.600 Teilnehmenden zeigten bei schubförmiger MS gegenüber der Interferon-Therapie eine signifikant bessere Wirksamkeit von Ozanimod. Darüber hinaus reduzierte sich die Schubrate; dasselbe traf für die kernspintomografischen Marker der Krankheitsaktivität und -last zu. Da S1P-Rezeptor-Modulatoren als Nebenwirkung Herzfrequenzabfälle bzw. Reizleitungsstörungen verursachen können, erfolgt – wie auch bei Fingolimod – nach der ersten Gabe eine sechsstündige EKG-Überwachung gemäß einer speziellen Checkliste.

Literatur

Giancarlo Comi, Ludwig Kappos, Krzysztof W Selmaj, Amit Bar-Or, Douglas L Arnold, Lawrence Steinman et al.:
Safety and efficacy of ozanimod versus interferon beta-1a in relapsing multiple sclerosis (SUNBEAM): a multicentre, randomised, minimum 12-month, phase 3 trial
The Lancet Neurology, Vol. 18, No. 11, p1009–1020; published: September 3, 2019

Jeffrey A Cohen, Giancarlo Comi, Krzysztof W Selmaj, Amit Bar-Or, Douglas L Arnold, Lawrence Steinman et al:
Safety and efficacy of ozanimod versus interferon beta-1a in relapsing multiple sclerosis (RADIANCE): a multicentre, randomised, 24-month, phase 3 trial
The Lancet Neurology, Vol. 18, No. 11, p1021–1033; published: September 3, 2019

Ellen M Mowry, John R Corboy:
Another sphingosine 1-phosphate receptor modulator for the treatment of patients with multiple sclerosis
The Lancet Neurology, Vol. 18, No. 11, p983–985; published: September 3, 2019

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Von |2019-11-26T16:04:12+01:0026. Nov. 2019|