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Wie erkenne ich MS?

Wie erkenne ich MS? 2018-08-07T12:59:14+00:00

Wie erkenne ich Multiple Sklerose? Diagnose der Erkrankung

In der Beziehung zu meinem Neurologen ist es für mich persönlich wichtig, ehrlich miteinander zu sein. Egal, welche Reaktion oder Aktion vom anderen kommt, für mich ist wichtig, dass es ehrlich gemeint oder geschwiegen ist. Dass da eine Art von Chemie passt. Hängt davon ab, was für ein Mensch das ist, der das sagt. Mein Neurologe sagt in manchen Situationen genau das gleiche, wenn ich ihn zu Prognosen oder so frage, vielleicht sogar den gleichen Satz, den ich schon ganz anders gehört habe, wieder ganz anders. Oder ich empfinde es bei ihm anders. Die Chemie muss stimmen, die persönliche Beziehung mit dem Menschen. Die Aussagen möchte ich als ehrlich spüren und dahinter sollte etwas stehen. Dass man nicht einfach so sagt, „na ja, schauen wir mal“, sondern dass das einen Grund hat, warum man das sagt oder etwas fragt. Es gibt genauso Fragen, die man so oder so stellt. Es ist ein Gespür auf beiden Seiten, wie man etwas sagt oder empfindet. Ist oft unbewusst, dass sich mit der Zeit etwas entwickelt und man sich versteht.
Milos, 42, MS seit 8 Jahren

Oft hört man, die MS sei eine schwierig zu diagnostizierende Erkrankung. Dies trifft aber nur für einen relativ kleinen Teil aller Patientinnen zu. Bei den meisten wird die Neurologin nach genauer Schilderung der aktuellen und eventuell früher aufgetretenen Beschwerden, einer sorgfältigen neurologischen Untersuchung und unter Zuhilfenahme der Liquor- und MRT-Befunde die Diagnose stellen können. In manchen Fällen wird dies nicht sofort möglich sein. Vor allem, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten oder die weiteren Unter suchun gen keine typischen Befunde ergeben, kann zunächst eine Unsicherheit bezüglich der Diagnose bestehen bleiben. Für die Patientinnen ist diese Unsicherheit oft schwer auszuhalten, sie wollen definitiv wissen, was die Ursache ihrer Beschwerden ist. Für schätzungsweise 10% aller Patientinnen wird diese Ungewissheit trotz Durchführung aller verfügbaren Untersuchungen zunächst bestehen bleiben. Auch wenn die Ärztin vielleicht schon vermutet, dass es wohl MS sein wird, muss sie dennoch den weiteren Verlauf beobachten und eventuell eine weitere MRT-Untersuchung oder gar einen weiteren Schub abwarten, ehe sie die Diagnose mit Sicherheit stellen kann.

In dieser Phase ist ein Vertrauensverhältnis zwischen der Neurologin und der Patientin besonders wichtig, denn es liegt meist nicht am Unvermögen der Ärztinnen, dass diese Unsicherheit vorerst bestehen bleibt, sondern am Wesen der Erkrankung.

Ganz schön behämmert: Der neurologische Status

Tabelle: Bedeutung des EDSS-Wertes in Bezug auf den neurologischen Status

Tabelle: Bedeutung des EDSS-Wertes in Bezug auf den
neurologischen Status

Am Beginn einer jeden neurologischen Untersuchung steht zunächst das Gespräch mit der Patientin, in dem diese über ihre jetzigen (und eventuell früheren) Beschwerden berichtet. Aus diesem Gespräch ergeben sich meist schon erste wichtige Hinweise: Handelt es sich um einen ersten Schub oder gab es in der Vergangenheit schon welche, die unter Umständen von selbst wieder verschwunden sind und denen aus diesem Grund keine weitere Beachtung geschenkt wurde. Bis vor kurzem war das Vorhandensein von zumindest zwei Schüben eine Grundvoraussetzung für die Diagnose Multiple Sklerose, nach einem erstmaligen Schub wurde allenfalls von möglicher MS gesprochen.

Im zweiten Schritt folgt nun die eigentliche neurologische Untersuchung, im Rahmen derer die verschiedenen von Gehirn und Rückenmark gesteuerten Funktionen überprüft werden: Die Sinnesorgane inklusive der Haut, die motorischen Funktionen (inkl. Kraft, Muskelspannung und Sehnenreflexe), die Koordination und das Gleichgewicht sowie eine grobe Prüfung der höheren Hirnleistungen (Sprache, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und andere) aber auch der psychischen Verfassung.

Ziel dieser Untersuchung ist es einerseits, den Ort der Entzündung im Gehirn und im Rückenmark zu lokalisieren, wodurch der weitere Einsatz apparativer Untersuchungsmethoden gezielt erfolgen kann. Anderer seits geht es darum, Hinweise auf früher stattgehabte Entzündungen zu finden, die so gering waren, dass sie der Patientin gar nicht aufgefallen sind.

Um den neurologischen Status zwischen verschiedenen Untersuchun gen und verschiedenen Untersucherinnen vergleichbar machen zu können, wurden zahlreiche standardisierte Bewertungsskalen etabliert, von denen die sog. EDS-Skala am weitesten verbreitet ist. In Abhängigkeit von den festgestellten Beeinträchtigungen wird ein Punktewert vergeben (sog. EDSS-Wert, siehe Tabelle). Ein Nachteil dieser Skala liegt in der geringen Trennschärfe bei Patientinnen mit geringen Ein schränkungen sowie in einer überproportionalen Berücksichtigung der Funktion der Beine im Vergleich zu jener der Arme. Auch Beeinträchtigungen in den Bereichen Gedächtnis und psychische Befindlichkeit sowie die chronische Müdigkeit finden relativ wenig Berücksichtigung in dieser Skala.

Patientinnen werden mit dem EDSS-Wert zumeist dann konfrontiert, wenn es um die Bewilligung von bestimmten Therapien geht, da manche Therapien von der gesetzlichen Krankenversicherung nur ab oder bis zu einem bestimmten EDSS-Wert bezahlt werden.

Auszug aus dem MS-Lesebuch.

In diesem Buch werden folgende Aspekte der MS-Diagnose erläutert:

  • Schwimmbecken für das Gehirn: Der Liquor
  • Bilder aus meinem Kopf: Die Magnetresonanztomografie (MRT)
  • Achtung Strom: Evozierte Potentiale
  • Diagnosekriterien der MS (die sog. McDonalds-Kriterien)
  • Ist es wirklich MS? Differentialdiagnosen der Erkrankung
  • Soll ich es der Patientin sagen? Die Mitteilung der Diagnose

Multiple Sklerose – ein Lesebuch

Ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer hat bereits die 3. Auflage seiner praxisnah verfassten Lektüre „Multiple Sklerose – ein Lesebuch“ herausgebracht.

Der Inhalt des Buches spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose. Die Leserinnen und Leser erfahren von der Geschichte der „Erkrankung ohne Namen“, über die vor mehr als 700 Jahren das erste Mal berichtet wurde, ebenso viel wie auch über die Entstehung und Behandlung von MS.

Das Besondere an diesem Buch sind aber zweifellos die zahlreichen Interviews mit Betroffenen, die in Form von Statements im ganzen Buch zu finden sind. Ebenso kommen behandelnde Neurologen zu Wort, die einen spannenden Einblick in die Frage „Wie gehen Ärzte mit der Erkrankung um?“ erlauben.  Auch das Team der MS-Gesellschaft Wien durfte zu den Kapiteln „Alles was Recht ist“ und „Chaos in der Seele“ einen Beitrag leisten.

Das MS-Lesebuch ist gegen eine Spende (ab 20,00 Euro) zzgl. Versandkosten (4,00 Euro) bei der MS-Gesellschaft Wien erhältlich.

Bestellungen werden gerne unter der E-Mail-Adresse office@msges.at oder der kostenfreien Telefonnummer 0800 311 340 entgegen genommen.

Der Versand erfolgt nach Zahlungseingang.

IBAN: AT211100000263298200
BIC: BKAUATWW

Bei Online-Banking bitte unbedingt Name, Postadresse und Verwendungszweck „MS-Lesebuch“ angeben!

Das MS-Lesebuch von Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose.