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Was ist MS?

Was ist MS? 2017-10-26T19:07:44+00:00

Was ist Multiple Sklerose?

Es ist eine selbst zerstörerische Krankheit. Im Detail interessiert es mich eigentlich gar nicht, welche Zellen da jetzt warum was machen oder auch nicht machen. Aber dieser eine Aspekt, dass sich der Körper selbst angreift, selbst zerstört, das beschäftigt mich schon ziemlich.

Das färbt auch total auf mein Selbstverständnis ab. Wie kann ich mich gut finden, wenn sich mein Körper selbst nicht gut findet und auf sich selbst losgeht? Das erzeugt so eine innere Zerissenheit. Ist wie ein Wurm, den man im Körper hat, den man aber nicht loswerden kann, der sich da durchfrisst, langsam alles verdaut. Das ist auch das so unendlich Schwierige für mich an dieser Krankheit.

Wenn ich irgendwo ein Krebsgeschwür habe, kann ich es mir herausschneiden lassen und es ist weg. Aber diese Zellen, die mir gehören und mich doch zerstören wollen, die sind immer da. Zeitweise lauern Sie nur und tun mir nichts aber bei der nächsten Gelegenheit können Sie schon wieder auf mich losgehen.

Peter, 27, MS seit 4 Jahren

Wie arbeitet unser Immunsystem?

Unser Immunsystem hat sich im Laufe der Evolution immer weiter entwickelt, um unseren Körper vor Angriffen verschiedenster Erreger (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und andere) zu schützen.

Grundvoraussetzung dafür ist, dass das Immunsystem solche (körperfremden) Erreger er kennt, gleichzeitig aber körpereigene Zellen verschont. Es muss also zwischen ‚Selbst’ und ‚Fremd’ unterscheiden lernen. Dazu verfügt es über ein sog. immunologisches Gedächtnis, das sich Erreger, die einmal in Kontakt mit Abwehrzellen waren, auf Dauer merkt und bei neuerlichem Kontakt wesentlich schneller gegen diese vorgehen kann. Gleichzeitig werden körpereigene Zellen als ‚Selbst’ gespeichert und vor Angriffen geschützt.

Mehrere Komponenten sind an der Funktion des Immunsystems beteiligt, einige davon verstehen wir auch heute noch nicht vollständig.

Vereinfacht betrachtet besteht unsere Abwehr aus zwei Teilen: Das unspezifische Abwehrsystem versucht, in den Körper eingedrungene Erreger zu neutralisieren und abzutöten. Der Ausdruck unspezifisch bedeutet, dass sich dieser Angriff gegen viele unterschiedliche Erreger gleichzeitig richten kann. Hauptbestandteil dieses Systems sind Granulozyten, das Komplementsystem, Fresszellen (sog. Makrophagen) und natürliche Killerzellen, deren Namen ihre Funktion schon sehr treffend beschreibt.

Daneben existiert ein spezifisches Immunsystem, welches u.a. auch für das immunologische Gedächtnis verantwortlich zeichnet und dessen wichtigsten Bestandteile T-Lymphozyten, B-Lymphozyten und die von ihnen produzierten Botenstoffe (Zytokine) und Antikörper sind. Gelangt ein Erreger mit T-Lymphozyten in Kontakt, wird er von diesen aufgrund seiner ganz bestimmten Oberflächenstruktur erkannt. Die Zellen entwickeln sich weiter in T-Helfer-Zellen, die einen Entzündungsvorgang einleiten und die Abtötung der Erreger ermöglichen.

Ein anderer Teil der T-Lymphozyten zeichnet für die weitere Entwicklung der B-Lymphozyten verantwortlich, die wiederum ganz spezifische, nur gegen diesen einen Erreger gerichtete Antikörper produzieren. Gleichzeitig werden aber auch Botenstoffe freigesetzt, welche entzündungshemmend wirken und die Abwehrreaktion rechtzeitig wieder beenden. Zurück bleibt schließlich eine kleine Menge des Antikörpers, der bei neuerlichem Befall mit dem gleichen Erreger eine viel schnellere Reaktion des Immunsystems ermöglicht.

Wie kann nun das Immunsystem körpereigene und fremde Zellen unterscheiden? Die Zellen des Abwehrsystems lernen während ihrer Reifung im Bries (Thymus) und Knochenmark zwischen Fremd und Selbst zu unterscheiden. Jene Abwehrzellen, die sich gegen Oberflächenmerkmale körpereigener Zellen richten, werden in dieser Phase großteils eliminiert. Allerdings gelangen auch immer wieder einige dieser autoaggressiven Zellen in die Lymphknoten und bleiben dort, ohne Schaden anzurichten, weil sie entweder von Unterdrücker-Zellen in Schach gehalten werden oder weil sie mit den entsprechenden körpereigenen Zellen ohnedies nicht in Kontakt kommen.

Werden solche Zellen aber durch einen Fehler im Immunsystem doch aktiviert oder gelangen sie in Kontakt mit ihren körpereigenen „Pendant“ können sie einen Angriff auf körpereigene Zellen einleiten. Richten sich diese Abwehrzellen gegen Nervengewebe ist der Weg frei für eine MS, sind dagegen Haut- oder Gelenkzellen das Ziel der Abwehrzellen kann es zu Schuppenflechte oder Rheuma kommen.

Auszug aus dem MS-Lesebuch.

Im Kapitel „Was ist Multiple Sklerose?“ wird die Entstehung der Multiplen Sklerose erläutert.

MS-Lesebuch

Ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer hat bereits die 3. Auflage seiner praxisnah verfassten Lektüre „Multiple Sklerose – ein Lesebuch“ herausgebracht.

Der Inhalt des Buches spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose. Die Leserinnen und Leser erfahren von der Geschichte der „Erkrankung ohne Namen“, über die vor mehr als 700 Jahren das erste Mal berichtet wurde, ebenso viel wie auch über die Entstehung und Behandlung von MS.

Das Besondere an diesem Buch sind aber zweifellos die zahlreichen Interviews mit Betroffenen, die in Form von Statements im ganzen Buch zu finden sind. Ebenso kommen behandelnde Neurologen zu Wort, die einen spannenden Einblick in die Frage „Wie gehen Ärzte mit der Erkrankung um?“ erlauben.  Auch das Team der MS-Gesellschaft Wien durfte zu den Kapiteln „Alles was Recht ist“ und „Chaos in der Seele“ einen Beitrag leisten.

Das MS-Lesebuch ist gegen eine Spende (ab 20,00 Euro) zzgl. Versandkosten (3,00 Euro) bei der MS-Gesellschaft Wien erhältlich.

Bestellungen werden gerne unter der E-Mail-Adresse office@msges.at oder der kostenfreien Telefonnummer 0800 311 340 entgegen genommen.

Der Versand erfolgt nach Zahlungseingang.

IBAN: AT211100000263298200
BIC: BKAUATWW

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Das MS-Lesebuch von Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose.