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Therapie des Schubes

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Therapie des Schubes 2017-10-26T19:19:46+00:00

Therapie des MS-Schubes

Wenn Beschwerden erstmals auftreten oder früher bestandene Beschwerden wiederauftreten bzw. an Intensität zunehmen, spricht man von einem Schub. Oft ist es schwierig, einen Schub zu erkennen. Auch Gesunde fühlen sich manchmal abgeschlagen, nach längerem Liegen in un günstiger Position kribbelt es da oder dort. Aus diesem Grund fordert man zunächst, dass die Beschwerden länger als 24 Stunden andauern, um von einem Schub sprechen zu können. Auch wenn diese Zeitspanne willkürlich gewählt erscheinen mag, hat sie sich doch in der Praxis gut bewährt. Dauern die Beschwerden länger an, sollten Sie Ihre Neurologin kontaktieren. Nicht immer wird es sich tatsächlich um einen Schub, also um eine neu aufgetretene Entzündung handeln. Auch eine erhöhte Körpertemperatur im Rahmen eines fieberhaften Infektes, Tages schwankungen der Körpertemperatur, Stress oder etwa der Menstruationszyklus können Beschwerden hervorrufen, die wie ein Schub imponieren.

Zum Ausschluss solcher anderer Ursachen wird üblicherweise eine Blut- und Harnuntersuchung durchgeführt. Außerdem sollen durch eine genaue neurologische Untersuchung, im Vergleich zur letzten Untersuch ung, eventuell neu aufgetretene Störungen objektiviert werden. Die Magnetresonanztomographie eignet sich nur bedingt zur Schubdiagnostik. Nicht immer findet man nämlich in der Frühphase einer klinischen Verschlechterung tatsächlich eine Kontrastmittel aufnehmende Veränderung an der zu erwartenden Stelle im Gehirn. Zum anderen sind MR-Tomographen nur begrenzt verfügbar, sodass es in der Praxis oft Wochen dauern kann, bis eine solche Untersuchung durchgeführt wird. Dadurch wür de aber unter Umständen wertvolle Zeit bis zum Beginn der Therapie verstreichen.

Wenn sich ein Schub ereignet, sollten Sie nach Möglichkeit intensive körperliche Belastung und Stress vermeiden. Obwohl ein negativer Einfluss einer solchen Belastung auf die Rückbildung der Beschwerden nie schlüssig bewiesen werden konnte, gibt es doch experimentelle Hinweise dafür, dass eine anhaltende Aktivierung von Nervenzellen in einem entzündlich veränderten Gewebe die Regeneration dieser Zellen stören und so zu bleibenden Schäden an den Nervenfasern führen kann. Dies gilt ausdrücklich nicht für körperliche Aktivität in einem Ausmaß, das von der Patientin nicht als belastend empfunden wird. Bettruhe ist also auch während eines Schubes nicht notwendig, längere Ruhepausen unter Umständen aber durchaus sinnvoll.

Bei einer Vielzahl von Schüben kommt es auch ohne Therapie zu einer vollständigen Rückbildung der Beschwerden, sodass manche Ärzte, vor allem bei Schüben, die Patientinnen im täglichen Leben nicht beeinträchtigen, auf eine Schubtherapie verzichten. Gegen eine solche Vorgehensweise sprechen allerdings experimentelle Untersuchungen, die gezeigt haben, dass ein sehr früher Therapiebeginn mit Kortison eine bleibende Schädigung von Nervenfasern möglicherweise verhindern kann.

Dauern neu aufgetretene Beschwerden also länger als 24 Stunden an und wurden andere mögliche Ursachen ausgeschlossen, sollte demzufolge mit einer Kortisontherapie begonnen werden. Hierzu liegen zahlreiche Studien vor, die die Wirkung von Methylprednisolon in verschiedener Dosierung und unterschiedlicher Darreichungsform (Infusionen, Tabletten) miteinander verglichen haben. Es konnte gezeigt werden, dass hoch dosiertes  Methylprednisolon im Vergleich zu Placebo zu einer rascheren Rückbildung der Beschwerden führt. Dass die Infusionstherapie einer Therapie in Tablettenform überlegen ist, konnte lediglich in einer Studie nachgewiesen werden. Obwohl somit theoretisch auch eine Therapie mit Kortisontabletten möglich scheint, gilt heute in den meisten MS-Zentren die intravenöse Therapie mit 1 Gramm Methylprednisolon über 3-5 Tage als optimale Vorgehensweise. Wenn sich in den ersten Tagen keinerlei Besserung zeigt oder die neurologischen Ausfälle gravierend sind, kann im Anschluss an die intravenöse Gabe noch eine Therapie mit Prednisolon-Tabletten in langsam fallender Dosierung über weitere 2-3 Wochen erfolgen.

Zeigen die Beschwerden 3-4 Wochen nach Therapiebeginn noch immer keine Besserungstendenz, kann ein erneuter Versuch mit intravenösem Methylprednisolon (ev. in höherer Dosierung mit 2 Gramm über 5 Tage) erfolgen. Bleibt auch das ohne Erfolg, sollte eine Blutwäsche (sog. Plasmapherese) in Betracht gezogen werden. Die Nebenwirkungen einer kurzzeitigen Therapie mit hoch dosiertem Methylprednisolon sind moderat. Neben einer schlechten Magenverträglichkeit, welcher durch gleichzeitige Gabe von Medikamenten vorgebeugt wird, treten manchmal Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen sowie ein metallischer Geschmack auf. Die allerorts gefürchteten Kortison-Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, Abnahme der Knochendichte und Hautveränderungen treten dagegen nur im Rahmen einer Langzeittherapie auf.

Auszug aus dem MS-Lesebuch.

Multiple Sklerose – ein Lesebuch

Ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer hat bereits die 3. Auflage seiner praxisnah verfassten Lektüre „Multiple Sklerose – ein Lesebuch“ herausgebracht.

Der Inhalt des Buches spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose. Die Leserinnen und Leser erfahren von der Geschichte der „Erkrankung ohne Namen“, über die vor mehr als 700 Jahren das erste Mal berichtet wurde, ebenso viel wie auch über die Entstehung und Behandlung von MS.

Das Besondere an diesem Buch sind aber zweifellos die zahlreichen Interviews mit Betroffenen, die in Form von Statements im ganzen Buch zu finden sind. Ebenso kommen behandelnde Neurologen zu Wort, die einen spannenden Einblick in die Frage „Wie gehen Ärzte mit der Erkrankung um?“ erlauben.  Auch das Team der MS-Gesellschaft Wien durfte zu den Kapiteln „Alles was Recht ist“ und „Chaos in der Seele“ einen Beitrag leisten.

Das MS-Lesebuch ist gegen eine Spende (ab 20,00 Euro) zzgl. Versandkosten (3,00 Euro) bei der MS-Gesellschaft Wien erhältlich.

Bestellungen werden gerne unter der E-Mail-Adresse office@msges.at oder der kostenfreien Telefonnummer 0800 311 340 entgegen genommen.

Der Versand erfolgt nach Zahlungseingang.

IBAN: AT211100000263298200
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Das MS-Lesebuch von Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose.