Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Geschichte der MS

Geschichte der MS 2017-10-26T19:08:40+00:00

Geschichte der MS

Eine Krankheit, für die es keinen Namen gibt

Erste Berichte über eine Erkrankung, die man heute möglicherweise als Multiple Sklerose bezeichnen würde, reichen mehr als 700 Jahre zurück. In der Island-Saga von St. Thorlakr wird über eine Wikingerfrau namens Hala berichtet, welche am Ende des 13. Jahrhunderts gelebt und an einer rätselhaften Erkrankung mit Blindheit und Sprachstörungen gelitten haben soll. Ihre Beschwerden hätten sich durch Opfergaben und Gebete nach kurzer Zeit zurückgebildet. Vielleicht der erste Bericht über eine schubförmig verlaufende Multiple Sklerose, welche der Nachwelt erhalten geblieben ist. Es sollte aber noch weitere 600 Jahre dauern, bis die Erkrankung einen Namen und damit in gewisser Weise auch eine Identität bekam.

Aus dem 14. Jahrhundert überliefert ist die Lebensgeschichte der Lidwina aus Schiedham, die nach einem Unfall im 15. Lebensjahr an einer unbekannten Erkrankung gelitten hat, welche in Schüben verlief und sie ab dem 20. Lebensjahr vollständig ans Bett fesselte. Sie wurde aufgrund ihrer, mit großer Geduld ertragenen, Krankheit von Papst Leo XIII. 1890 heilig gesprochen und wird heute in der katholischen Kirche als Patronin der Kranken verehrt.

Noch viele weitere Jahrhunderte blieb die Erkrankung unverstanden oder wurde in ihrer Existenz überhaupt in Frage gestellt. So wurde sie beispielsweise vielfach als eine spezielle Form der Syphilis betrachtet. Die Ärzte behandelten ihre Patientinnen nach den jeweils zeitgeistigen Konzepten. So verbrachte August d’Este (1794-1848), der Cousin der Königin Viktoria von England einen guten Teil seines Lebens in Kur anstalten, die besten Ärzte seiner Zeit verordneten Luft- und Wan nen bäder, Bewegungstherapien und spanische Flieg

In Florenz begann ich an einer eigentümlichen Sehstörung zu leiden. Um den sechsten November nahmen meine Beschwerden derart zu, dass ich alles doppelt sah. Jedes Auge erzeugte sein eigenes Bild. Dr. Kissock vermutete die Galle als Ursache und verordnete mir Aderlässe und Blutegel, auch Abführmittel wurden mir verschrieben. Ich verlor Unmengen an Blut und die Erkrankung meiner Augen besserte sich zunehmend. Ich konnte die Dinge wieder in ihrer einzigartigen Gestalt wahrnehmen und unternahm ausgedehnte Spaziergänge. Aber schon bald überkam mich ein anderes Übel: Ich hatte das Gefühl, dass meine körperlichen Kräfte mit jedem Tag mehr und mehr schwanden. Dazu kam eine eigenartige Taubheit, die meinen Rücken und Schambereich überfiel. Um den 4. Dezember schließlich verließ die Kraft endgültig meine Beine, sodass ich zu Boden fiel und erst durch die Hilfe meines treuen Dieners wieder in der Lage war, mich aufzurichten. Ich verharrte in diesem Zustand für 21 Tage, danach kam die Kraft wieder langsam in die Beine zurück und ich war in der Lage nach Gräfenberg zur Kur abzureisen.

August d’Este, 1827

Auch Heinrich Heine (1797-1856) war von einer solchen Krankheit betroffen, deren Beschwerden plötzlich da waren, häufig aber auf unerklärliche Weise auch wieder verschwanden. Im Alter von 35 Jahren bemerkte er eine Lähmung zweier Finger der linken Hand, die wieder verschwand. Fünf Jahre später traten Sehstörungen an beiden Augen sowie eine Schwäche im linken Arm auf, beides kam und ging in den darauf folgenden Jahren immer wieder. Schließlich verschlechterte sich die Krankheit so sehr, dass er die letzte Zeit seines Lebens in einem Spital verbringen musste, das er selbst in seinen Gedichten als Matratzengruft bezeichnete. Zahlreiche seiner berührendsten Gedichte stammen aus dieser Periode. Obwohl von den besten Ärzten seiner Zeit mit unzähligen Kuraufenthalten, Aderlässen, Morphium und Diäten betan, konnte seiner Erkrankung kein Einhalt geboten werden.

Anfangs wollt ich fast verzagen,
Und ich glaubt, ich trüg es nie;
Und ich hab es doch getragen-
Aber fragt mich nur nicht, wie?

Heinrich Heine

Auszug aus dem MS-Lesebuch.

MS-Lesebuch

Ao. Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer hat bereits die 3. Auflage seiner praxisnah verfassten Lektüre „Multiple Sklerose – ein Lesebuch“ herausgebracht.

Der Inhalt des Buches spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose. Die Leserinnen und Leser erfahren von der Geschichte der „Erkrankung ohne Namen“, über die vor mehr als 700 Jahren das erste Mal berichtet wurde, ebenso viel wie auch über die Entstehung und Behandlung von MS.

Das Besondere an diesem Buch sind aber zweifellos die zahlreichen Interviews mit Betroffenen, die in Form von Statements im ganzen Buch zu finden sind. Ebenso kommen behandelnde Neurologen zu Wort, die einen spannenden Einblick in die Frage „Wie gehen Ärzte mit der Erkrankung um?“ erlauben.  Auch das Team der MS-Gesellschaft Wien durfte zu den Kapiteln „Alles was Recht ist“ und „Chaos in der Seele“ einen Beitrag leisten.

Das MS-Lesebuch ist gegen eine Spende (ab 20,00 Euro) zzgl. Versandkosten (3,00 Euro) bei der MS-Gesellschaft Wien erhältlich.

Bestellungen werden gerne unter der E-Mail-Adresse office@msges.at oder der kostenfreien Telefonnummer 0800 311 340 entgegen genommen.

Der Versand erfolgt nach Zahlungseingang.

IBAN: AT211100000263298200
BIC: BKAUATWW

Bei Online-Banking bitte unbedingt Name, Postadresse und Verwendungszweck „MS-Lesebuch“ angeben!

Das MS-Lesebuch von Univ.-Prof. Dr. Fritz Leutmezer spannt einen Bogen über alle wesentlichen Themen im Zusammenhang mit Multipler Sklerose.