Welt MS Tag 2017

Am Welt-MS-Tag stehen rund um den Globus all jene Menschen im Zentrum der Aufmerksamkeit, die von Multipler Sklerose betroffen sind. Die Wiener MS-Gesellschaft lud anlässlich des Gedenktages zu einer restlos ausgebuchten Veranstaltung.

Seit die Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) im Jahr 2009 den Welt-MS-Tag initiiert hat, finden am letzten Mittwoch im Mai rund um den Erdball Awareness-Kampagnen statt, die über die Multiple Sklerose aufklären und Betroffene vor den Vorhang holen. Die MS-Gesellschaft Wien nahm den Welt-MS-Tag zum Anlass, um auf die Anliegen von Betroffenen aufmerksam zu machen und lud zu einer Veranstaltung unter dem Motto „Lebensqualität leben“ in die Räumlichkeiten des Arbeitersamariterbunds Wien im 15. Wiener Gemeindebezirk.

Lebensqualität leben

Trotz des schwül-heißen Wetters war der Andrang zum Impulsvortrag „Lebensqualität und Multiple Sklerose“ von Dr. Martina Esberger-Chowdhury und das von Mag. Ina Sabitzer moderierte Podiumsgespräch enorm. Auch die für den Welt-MS-Tag angefertigten „orange ribbons“ gingen weg wie die warmen Semmeln.

Lebensqualität nicht vom Behinderungsgrad abhängig machen

Der Präsident der MS-Gesellschaft Wien, Univ. Prof. Dr. Fritz Leutmezer, hat mit seinem Team an der MS-Ambulanz im Wiener AKH die Lebensqualität von 200 Patienten erhoben und herausgefunden, dass diese unabhängig vom Grad der Behinderung empfunden wird. Er empfahl beim Podiumsgespräch allen Betroffenen, vor allem ihre Stärken in den Vordergrund zu stellen und an der individuellen Lebenseinstellung zu arbeiten. "Achten Sie vor allem darauf, was Ihnen wichtig ist", appellierte Leutmezer.

Permanent an sich arbeiten

Der Marathonläufer Martin Geicsnek erklärte, dass die Multiple Sklerose sein Leben positiv beeinflusst habe, da er seit der Diagnose vor 21 Jahren andere Prioritäten setze als zuvor. Er gehe mit seinem Körper achtsamer um und habe sich trotz 25 Krankheitsschüben dem Extremsport verschrieben – wenn auch mit Einschränkungen. So könne er zwar Ultramarathons laufen und den Kilimandscharo besteigen, aber aufgrund seiner Erkrankung, die er als „Rucksack“ bezeichnete, den er immer mit sich trage, nicht auf einem Bein stehen. Der Informatiker rät anderen Betroffenen, auch mit Einschränkungen so hart und intensiv wie möglich zu trainieren und permanent an sich zu arbeiten.

Das Leben genießen

Geicneks Ehefrau Helga Marwan-Schlosser fungiert als Leiterin des Wohnhauses des Vereins Lebensraum und ist ebenso Marathonläuferin. Sie schilderte, wie sie mit der Erkrankung ihres Mannes umgehe und betonte die Bedeutung der Partnerschaft. Gemeinsames Erleben – davon ist Marawan-Schlosser überzeugt – könne das Leben von MS-Patienten positiv beeinflussen.

Eigenverantwortung und Selbstbestimmung wahrnehmen

Für die Leiterin des MS-Tageszentrums der Caritas Socialis, DGKS Ramona Rosenthal, bedeutet Lebensqualität, dass sie sie selbst bleiben könne – sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Da alle MS-Betroffenen ihren „eigenen Kilmandscharo“ zu erklimmen hätten, sei es von besonderer Bedeutung, stets danach bestrebt zu sein, sich um sich selbst kümmern zu können, so Rosenthal. Um dieses Ziel zu erreichen, empfiehlt sie, dafür den „eigenen Werkzeugkoffer“ zu füllen.

Neben etlichen Mitgliedern der MS-Gesellschaft Wien, dem ASBÖ Wien-Geschäftsführer Mag. Oliver Löhlein, Vertreterinnen des ÖAMTC und der ehemaligen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner überzeute sich auch der Anwalt für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen, Dr. Hansjörg Hofer, von der Arbeit der MS-Gesellschaft Wien und steckte sich ein oranges MS-Ribbon an das Revers seines Sakkos.