Mit Resilienztraining psychische Widerstandskraft entwickeln

Wer seine Resilienz schult, lässt sich von Herausforderungen, die mit Multipler Sklerose einhergehen, nicht so leicht unterkriegen, reagiert gelassener und lernt, Grenzen abzustecken. Darüber hinaus befähigt Resilienztraining Menschen mit Multipler Sklerose in herausfordernden Situationen zu innerem Gleichgewicht zu gelangen und psychische Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.

In der Psychologie wird die psychische Widerstandskraft eines Menschen als „Resilienz“ bezeichnet, wobei es sich um einen dynamischen Prozess handelt, der eine positive Anpassung im Kontext signifikanter Widrigkeiten umfasst. Menschen, die sich in Resilienz geübt haben, erlernen Bewältigungsstrategien und können damit ihre Lebensqualität steigern.

Resilienz und Grad der Behinderung

Am 25. Oktober präsentierte Dr. Sylvia Klineova bei der internationalen Veranstaltung MSPARIS2017 des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) und des Americas Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ACTRIMS) die Resultate einer Untersuchung, in der sie mit ihrem Team den Zusammenhang zwischen der psychologischen Resilienz und dem Grad der Behinderung bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) erhoben hatte.

Die Studie ist der Frage nachgegangen, ob eine höhere Resilienz mit einer geringeren Behinderung einhergeht – unabhängig von demographischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht, oder Bildung, aber auch unabhängig davon, ob eine Hirnatrophie, Depression oder Angstzustände vorlagen. Den Grad der Resilienz maßen die Forscherinnen und Forscher mit der Connor-Davidson Resilienz-Skala, einem etabliertes Maß für die psychische Belastbarkeit.

Die Auswertung ergab, dass ein höherer Resilienz-Grad mit einem geringeren Behinderungsgrad einherging.

Sylvia Klineova: Resilience Matters in Multiple Sclerosis: The Independent Contribution of Psychological Resilience to Disability; ECTRIMS Online Library. Klineova S. Oct 25, 2017; 199603

Resilienztraining steigert Widerstandskraft

Ein Team von der University of Washington berichtete, dass ein als „Everyday Matters“ (jeder Tag zählt) bezeichnetes, sechs Wochen dauerndes psychologisches Trainingsprogramm den Grad der Resilienz bei Testpersonenen mit Multipler Sklerose um 20 Prozent erhöhte und die Häufigkeit depressiver Episoden verringerte.

Laut der Psychologin Amy Sullivan vom Institut für Verhaltensmedizin, Forschung und Ausbildung am Mellen Center für Multiple Sklerose an der Cleveland Clinic verursachen die „unvorhersehbare Natur“ der Multiplen Sklerose und die unterschiedlichen Grade der Behinderung, die mit der Erkrankung einhergehen können, eine Menge emotionaler Umwälzungen. Gerade für Menschen mit Multipler Sklerose sei es daher bedeutsam, Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.

Faktoren, die Resilienz beeinflussen

Eine bereits im Jahr 2016 veröffentlichte Untersuchung hat durch Gespräche in vier Fokusgruppen herausgefunden, wie es um die Resilienz von Menschen mit Multipler Sklerose bestellt ist. Die Auswertung der Gespräche ergab, dass vor allem Faktoren wie psychologische Anpassung, soziale Beziehungen, Lebensbedeutung, Planung und körperliches Wohlbefinden als Vermittler von Resilienz fungieren. Als Hindernisse für die Widerstandsfähigkeit wurden vor allem die Faktoren Resilienz-Erschöpfung, negative Gedanken und Gefühle, sowie soziale Einschränkungen, soziale Stigmatisierung und körperliche Ermüdung ausgemacht.

Arielle M. Silverman, Aimee M. Verrall, Kevin N. Alschuler, Amanda E. Smith & Dawn M. Ehde: Bouncing back again, and again: a qualitative study of resilience in people with multiple sclerosis; Disabil Rehabil. 2017 Jan;39(1):14-22. Epub 2016 Feb 15

 

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