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Multiple Sklerose – Optimierungspotenziale in der Versorgung

//Multiple Sklerose – Optimierungspotenziale in der Versorgung

Multiple Sklerose – Optimierungspotenziale in der Versorgung

Logo: Gipfelgespräche im Stift Seitenstetten

Beim MS-Gipfelgespräch im Rahmen des 3. PRAEVENIRE Gesundheitsforums in Seitenstetten diskutierten Expertinnen und Experten, ob alle Möglichkeiten der Versorgung von Menschen mit Multipler Sklerose im Sinne der Betroffenen genützt werden und wo das System Verbesserungspotential aufweist.

11. Gipfelgespräch im Stift Seitenstetten im Rahmen des 3. PRAEVENIRE Gesundheitsforums, Diskussionsteilnehmer in alphabetischer Reihung

Univ.-Prof. Dr. Eduard Auff, Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Bajer-Kornek, OÄ Dr. Andrea Harsanyi, Mag. Dr. Elisabeth Messinger, Mag. Martin Schaffenrath, Assoc. Prof. DDr. Johann Sellner und Mag. Dr. Edgar Starz stimmten darüber ein, dass die Versorgung von Menschen mit Multipler Sklerose in Österreich hinsichtlich der Diagnose und Therapie im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sehr gut ist.

Dafür sei vor allem die seit vielen Jahren gut etablierte Struktur der von der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) zertifizierten „MS Zentren“ ausschlaggebend. Diese Struktur verschränkt den intra- und extramuralen Bereich zur qualitativen Versorgung und Betreuung der betroffen Personen. Zudem bietet die laufende Forschung und Entwicklung immer weitere Ansätze und Möglichkeiten zur Optimierung der MS-Therapie.

In Österreich gibt es 12.000 – 14.000 Menschen mit der Diagnose Multiple Sklerose. Für 80 bis 85 % von ihnen stehen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen sich Krankheitsschübe reduzieren bzw. verhindern lassen. Die seit 2005 gegründeten MS-Zentren und Therapie-Register stellten den Expertinnen und Experten zufolge ein europaweit anerkannte Erfolgsmodell in der Versorgung von Menschen mit MS dar.

MS-Zentren und Betreuung von Menschen mit MS

In Österreich gibt es etwa 125 bis 130 MS-Zentren (Spitalsambulanzen und niedergelassene Ärzte), die für die MS-Therapie-Register zuständig sind. In Zusammenarbeit mit anderen Zentren und Einrichtungen werden auch Begleiterkrankungen wie beispielsweise Schmerzen, Depression oder hoher Blutdruck behandelt.

Die Expertenrunde kam zu folgenden Erkenntnissen:

  • gute und dauerhafte medizinische Betreuung durch die Zusammenarbeit von Betroffenen und Fachpersonal
  • neurologische Behandlung muss andere Bereiche einbinden
  • individuelle Behandlung und Kooperation mit Tagesstätten, Intensivstation, Reha-Zentren etc.
  • Behandlung sollte verstärkt von den Ambulanzen hin zu niedergelassenem Bereich transferiert werden – dadurch wären die Spitalsambulanzen entlastet und es würde die Komplexität reduzieren
    Voraussetzung dafür ist, dass der niedergelassene Bereich dies angemessen abgegolten bekommt. Bei einer Systemumstellung sollte ein Anreizsystem etabliert werden.
  • Da die meisten Menschen mit MS berufstätig sind, muss auf deren Alltagswirklichkeit Rücksicht genommen werden – beispielsweise bei der Vergabe von Kontrollterminen.

Therapie-Register

Das Therapie-Register ist ein Erfolgsmodell. Die Patienten erhalten jenes Medikament, welches sie benötigen. Beim Register handelt es sich um qualitätsgesicherte, kontrollierte Daten, die transparent und nachvollziehbar sind.

  • gefordert wird eine verstärkte Vernetzung der unterschiedlichen Fachbereiche
  • Öffentliche Apotheken sollten verstärkt in die Betreuung und Therapieinformation eingebunden werden, um Nebenwirkungen der Substanzen zu berücksichtigen, v.a. wenn Betroffene die Ärztin bzw. den Arzt wechseln.

Kosten für Menschen mit MS

Neue Medikamente erzeugen neue Kosten. Die Kosten für Medikamente, die zur Verfügung stehen, sollten vom Hauptverband gedeckt sein. In der Steiermark gibt es seit den 1990er Jahren eine Vereinbarung mit der Gebietskrankenkasse. Besonders teure Substanzen sollen von den Kassen refundiert werden.

  • Modell Steiermark – in der Diskussion der Kassen-Zusammenlegung besteht die Sorge, ob die Vereinbarung, die pharmaökonomisch sinnvoll ist, so bleibt.
  • Betriebswirtschaftlich ökonomisch kann die Versorgung von MS-Patienten nur dann gut funktionieren, wenn die Kosten geteilt und nicht hin- und hergeschoben werden.
  • Bei der Behandlung von MS-Kosten müssen neben den Medikamentenkosten die indirekten Kosten durch Pensionierung, Betreuung zu Hause, Rehabilitation etc. in einer Gesamtbetrachtung erfolgen.
  • Frühes und teures Therapieren bringt einen Benefit für Menschen mit MS – auch in Bezug auf die Gesamtausgaben

Gipfelgespräch im Rahmen des 3. PRAEVENIRE Gesundheitsforums, 18. April 2018, Stift Seitenstetten

2018-05-03T13:19:44+00:00